Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 9 (September 1846)
- Date
- 1846-09-01
- Page
- Seite 355 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Recenfionen. 355 Philosophie, besonders gerade Ln denjenigendie fich einer großen Achtung^ erfreuten und im Ansehen standen, besonders aber in Vorderasien und Palästina verbreitet waren, die Behauptung ^von einer Hyle nachgewiesen, und glauben damit zur Genüge dargethan zu haben, däß man für die Spuren im Talmud von der Voraussetzung einer Materie nicht erst die Gnosis als Anfangspunkt voraussetzen darf, da sie darin eigentlich nur auf dem Boden der griechische« Philosophie fich befindet. Die Behauptungen aller dieser großen Philosophen mußten fich weit eher Anerkennung verschaffen, als die geringen Anfänge der Gnofis, und fanden auch in der That in soweit Annahme, daß man die-Materie fich vor Altem vou Gott geschaffen dachte. Eben so glauben wir auch nicht, mit dem Berf. berechtigt zu sein, das Wasser als Urmaterie oder höheres Prkncip im Talmud gedacht, als eine gnostische Idee zu betrachten. Es liegt uns hier das Thaletische Ariom viel näher, zumal, wie wir glauben, die angeführte Stelle im Talmud') durch Auseinandersetzung der Thaletische« Grundsätze, ihre volle Beleuchtung findet, wahrend sie nach dem Vers, in der Hauptsache ungelöst bleibt, wie fich weiter zeigen wird. Was nun aber die weitere Behauptung Ben Soma's betrifft, so glauben wir zu ihrer Erläuterung noch eine andere philosophische Ansicht ihr unterlegen zu müssen, was wir" jedoch für nicht mehr als eine Conjectur geben. Im tiefen Nachdenken versunken, so wird nämlich erzählt, wurde Ben Soma von R. Akiba gefragt, womit er sich-beschäftige, und er antwortete ihm: „Ich betrachte den Unterschied zwischen Wasser und Wasser, unkssah, daß . zwischen ihnen nur drei Spannen find." Ben Soma scheint uns hier über den Unterschied des Wassers als Urprin.ip und des gewöhnlichen stoffigen Wassers nachgedacht zu haben, und er fand , daß das Wasser als Urmaterie ein ovös ti, ovös uogov, und ovös itoiov sei., wie man nach Aristoteles überhaupt fich die Urmaterie - dachte (Physic. I, 7.), fich also von dem materiellen Wasser Ln diesen drei Wesenheiten unterscheidet, da dieses etwas ist und Qualität und Quantität hat. Diesen Unterschied zwischen dem Urwaffer und dem materiellen Waffeb wollten sich aber die Rabbiner erst am zweiten Schöpfungstag gemacht denken, da au diesem ein Unterschied gemacht wird zwischen dem ober« und untern Wasser, y wahrend Ben Soma das Wasser des ersten Tages, über dem der Geist Gottes schwebte, aus dem Urwaffer gemacht und von ihm unterschieden denken mußte, weil dieses ja als Urprincip selbst der Erde voranging; deshalb bemerkt auch R. Josua, Ben Soma stehe nicht auf kanonischem Standpunkte, *prOBa); und es wird die Behauptung aufgestellt, daß die. beiden Wasser fich gar nicht so sehr qualitativ und quantitativ unterschieden haben, daß sie vielmehr verwandt find, ein Urwaffer also als Urmaterie von der Bibel nicht angenommen werde. Von dem Nachweis von Spuren gnostischer Ansichten im Talmud geht der Verfasser dazu über, bestimmte Personen des Gnosticismus zu zeihen und andere als Antagonisten zu bezeichnen. Vier Personen find es, die eine vierfach verschiedene Stellung der Gnofis gegenüber eingenommen haben; Elisa, Sohn Abujah's, verfiel der gnostischen Verirrung und wird als ausgeschieden aus dem Judenthum betrachtet; R. Akibah widerstand den Verlockungen und blieb treu 1) Chagigah 15, a. . 2) Die nkchtcanonischen Schriften werden genannt, als außerhalb des Canons sich befindend, und hier scheint ebenfalls yirro „nicht synagogal" zu bedeuten. 27*