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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1846-09-01 · 9 (September 1846) · p. Seite 354

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1846)
Issue
9 (September 1846)
Date
1846-09-01
Page
Seite 354 (sequence 36)
Language
German
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354 Recensionen. das ganze Heidenthum zieht sich.dev Unterschied zwischen einer göttlichen und einer irdischen Natur, und man konnte es nicht begreifen, wie das Göttliche im Stande sei, ans das Irdische einzuwirken, oder wie das Geistige auf das Körperliche^). Den obersten Gottheiten, die gar keine stoffische Natur an sich hatten, ward daher auch wirklich jede Theilnahme an den Dingen dieser Welt abgesprochen. Solche Begriffe kommen auch im Talmud vor, und der Spruch ist bekannt, „daß die Schechinah nie die zehn untersten Thephachim berührt, und daß Moses (und kein Mensch) nie dieselbe Grenze des Irdischen überschritten." Eine Verbindung, die zwischen Gott und dem Menschen vorkam, mußte in einer Vermittelung.gedacht werden. Zu dieser Vermittelung eigneten sich die Engel am meisten; schon in der Schrift wird ihrer gedacht, und in Babylonien haben sich die Gelehrten mit ihren besonderen Namen und Begriffen bekannt gemacht. Man dachte sich dieselben von Gott selbst geschaffen, also göttlicher, als geschaffen wiederum doch endlicher und irdischer Natur, geeignet, die weltlichen Interessen Gottes wahrzunehmen. In solcher Art dachte man sich aber auch für die Schöpfung der Welt und die Leitung Israels Engel geschaffen; natürlich da sie das Höchste ausführten, mußten sie. auch höchster Art sein. Ein Engel solcher hoher Art war der Mit herrsch er, als Ausführer des göttlichen Gedankens gedacht. Doch war er von Gott geschaffen, geschaffen zu dieser Mission; und wird ibm auch, was sehr zu bezweifeln ist, eine selbstständige Gewalt beigelegt, so ist die Veranlassung nicht mit dem Vers, in der Gnosis, sondern in der heidnischen Philosophie zu suchen. Dasselbe müssen wir auch gegen den Verfasser behaupten in Betreff der Hyle. Die Annahme einer Materie als Urstoff, aus dem die Welt geschaffen, wurde, behauptet der Verf. im Talmud nachzuweisen, und dafür sprechen allerdings die Stellen, die von ihm angeführt werden, und noch manche andere Stellen, aus denen die Anklänge an die Behauptung von dem Vorhandensein einer Materie deutlich erweislich sind. Und soll dies durchaus hier auch nicht bestritten werden, wenngleich behauptet werden kann, daß diese Materie selbst als eine von Gott geschaffene gedacht wird, nicht also in dem Sinne der heidnischen Philosophen. Allein daß die Voraussetzung einer Materie der Gnosis entnommen wurde, müssen wir durchaus bestreiten, da dieselbe viel alter ist, und sich durch die ganze griechische Philosophie als ein unbestrittenes Ariom festgesetzt hat. So stellt Plato sch^n im Timaus eine Materie als das alten Wesen zu Grunde liegende ansiQov und itavdezijs* Eben so lehrt Aristoteles, daß das allen veränderlichen Naturdingen zu Grunde liegende beharrliche Substrat die Materie sei; „die Natur ist eine doppelte, die eine ist die Hyle, die andere die Gestalt." Physis. II., 1. Die gestaltgebende, belebende galt als Gott, dem die Masse als das Stoffbietende entgegengesetzt ist. Eben so nimmt Zeno ein thatiges und sin leidendes Princip an, und dieses ist die unförmliche, eigenschaftslose Materie; „das Leidende ro das qualitätslose Wesen ccnoiov ovoiav. Diogen. Laert. VII. 134. Stob. Ecclog. physie. 3. Vs.; und daß Epicur eine Urmaterie voraussetzt, leuchtet von selbst ein. Nicht, anders dachten die römischen Philosophen, bei denen ebenfalls die Annahme einer Materie unbestritten fest stand; und die Lehren der platonischen Eklektiker, der Peripatetiker und des spätern Syncretismus in Boöthius und Casfiodorus stellten gleichen Grundsatz auf. Wir haben hier genugsam in den vorzüglichsten Systemen der griechischen 1) Cicero de nat. deor. 1, 4. 5.

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