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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1846-09-01 · 9 (September 1846) · p. Seite 347

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1846)
Issue
9 (September 1846)
Date
1846-09-01
Page
Seite 347 (sequence 29)
Language
German
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Zur Wissenschaft des Judenthums. 347 man-einzunehmen hat, um des Berf. Schilderung der jüd. Literatur in Frankreich und Deutschland während des Mittelalters gehörig zu würdigen, hier wohl nicht am Unrechten Orte sein. — Bereits tu einem früheren von Ans herrührenden Aufsatze in dieser Zeitschrift (Februarheft 1845. S. 54 seq.) haben wir nachzuweisen versucht, daß dem rabbinischen Juoenthume seit seiner Entstehung zwei Gegensätze eingeimpft waren, Universalismus und Particularismus, die sowohl in der Theorie als in der Praxis alle Nuancen desselben durchzogen und je nach dem Bildungsgänge der Lehrer, der Zeiten und der Völker, unter denen die Juden lebten, entweder sich ebenmäßig zu einander verhielten, oder nach der einen oder derandern Seite hinzu einer Gradation sich steigerten, welche feinen Gegensatz, wenn auch nie ganz ausschloß, doch sehr zurückdrangte-' Die Aufgabe höher begabter Geister mußte stets dahin gerichtet fern, da, wo das eine Element, sei es im Wesen der Auffassung oder in der Methode, ein zu großes Uebergewicht genommen hatte, durch Einführung oder Hervorhebung des entgegengesetzten Elements das Gleichgewicht wieder herzufiellen und Abirrungen zurückzuweiscn. Wir erinnern hier nur, was die Lehrweise betrifft, u. A. an die von Maimonides bewirkte systematische Eodistcirung des gesummten Gesetzcomplexes, welche der in der Gemara stattstndenden, durch die damaligen Umstande gebotenen Zusammenschichtung als Gegengewicht dienen sollte, und — durch Einführung einer geordneteren Mkthodik — größere Homogenität mit der Studienweise anderer gebildeten Nationen herzustellen im Stande war. Dunkle Zeiten und traurige Ereignisse hatten jedoch nicht nur jene formale Ordnung aus den jüdischen Lehrhäusern wieder entfernt oder vielmehr nicht ganz darin heimisch werden lasten, sondern auch auf das Material der Gegenstände ihren Einfluß geübt; der universalistische Kern des Judenthums war wieder mehr, als es zu dessen Erhaltung bedurfte, von feiner particularistischen Hülle umkrustet worden. Was war natürlicher, als daß man nach der Rückkehr zu wissenschaftlichem Bewußtsein hier eine Sichtung vornehmen zu müssen glaubte und, da mau in den wohlangebauten Schachten der Meister aus der spanisch-arabischen Schule glänzenderes Erz zu Tage gefördert sah, dahin vorzüglich sich wendete.und nach den darin aufgehauften geistigen Schätzen mit Hastigkeit griff. So wurden nunmehr selbst die Mangel jener Schule, wo nicht angepriesen, doch mindestens verschwiegen und — im Verhältnis zu den Leistungen anderer Gegenden und Zeiträume — immer noch als Vorzüge angesehen. Das französisch-deutsche Mittelalter ward jetzt mit einer Geringschätzung behandelt, die selbst die ihm eigenthümlichen Lichtseiten, seine tiefere Gemüthlichkeit, sein intensiveres Eingehen in den Sinn der hell. Schrift übersehen ließ. So machte eine Einseitigkeit der andern Platz! — Bei unserer vorherrschenden Zeitanschauung, wo mau gewöhnt ist, über jede ^besondere Richtung, wenn sie dem Universalismus scheinbar entgegentritt, oberflächlich abzuurtheilen, ohne auf ihren tieferen Grund zu schauen, stand daher zu befürchten, daß die Kenntniß des jüdisch-französisch-dentschen Mittelalters am Ende ganz verloren ginge, daß dessen Leistungen, die poch nicht blos in literarhistorischer Beziehung, sondern auch an sich unveräußerlichen Werth haben, der Vergessenheit anheimfallen. Darum war im Interesse der Wahrheit und der Geschichte, im Interesse des in beiden sich eutgegeustehenden Richtungen vertretenen Judenthums hier einzuschreiten. Ein Zunz mußte kommen und sprechen: Intro'tte, nam et heic Dii sunt! — Nicht also um apologetischer Ten- - denzen wlllen, nicht etwa um daö französ.-deutsche Mittelalter als Vorbild

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