Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1846-09-01 · 9 (September 1846) · p. Seite 343

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1846)
Issue
9 (September 1846)
Date
1846-09-01
Page
Seite 343 (sequence 25)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2744856-2744883-2744893--1303-2746274
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Tagesbegebenheiten. 343 Steuer frei zu machen. Wer die bisherige drückende und schädliche Einwirkung dieser Steuer kennt, wie schon das erste Angeben des Vermögens — bei der Verheirathung — einen Meineid involvirte, wie von allen Seiten über Unrecht geklagt wurde, da bei niedrigerer Angabe des Vermögens die Steuer auf 25N» gestellt werden mußte, wie selbst der Bettler nicht von ihr verschont blieb, da von jedem Pfund Fleisch zwei Kreuzer C. M. entrichtet wurden, der wird ermessen, welche Last von unseren Schultern herabgewalzt wird: und wollen wir in dankbarer Anerkennung des uns Gewordenen nicht mit der Vergangenheit rechten^ uns nicht zurückrufen, daß viele Jahre diese schmachvolleSteuer, weil'wir „Juden" sind, uns auferlegen sahen. Wir nehmen die Gerechtigkeit der Gegenwart auch als eine Sühne der Vergangenheit hin. — Betrachten wir dieses Ereigniß als einen Ausstuß des Rechtssinnes, der unseren erhabenen Monarchen ziert, so wollen wir auch mit Ehren der Männer gedenken, die mit vieler Aufopferung unsere Bitten an den Fuß des Thrones niederlegten und in ihrem Bestreben unermüdlich waren. Als solche Männer nennen wir die Herren M. I. Landau, I. Pollack, D. Fischel, L. v. Lamel u. A., deren Verdienst unserer Gemeinde im Angedenken bleiben wird. Nicht minder erfreulich dürfte die Mittheilung sein, daß an der hiesigen Universität ein Lehrstuhl für hebräische Sprache und talmudische Studien errichtet wird und ein Jude, vr. W. Wessely von hier, diesen Lehrstuhl einnehmen wird. Doch mischt sich hier manches Bittere ein über die Weise, wie dieser Lehrstuhl creirt wurde. Wessely, dessen Fähigkeiten und Wissen wir keineswegs bezweifeln, sucht, so weit es angehet, die verschiedenartigsten Stellen in seiner Persornzu vereinigen. Als nun die Stelle eines Censor in Iwbraiois vor einiger Zeit erledigt wurde und man mit Uebergehung W's. andere gelehrte Juden zu diesem Amte vorschlug, vermeinte W. in einer Eingabe an die höheren Behörden— wie actenkundig ist —, daß man überhaupt Juden bald gar nicht zu dieser Stelle bedürfen werde. Man eröffne einen Lehrcursus der hebräischen Sprache und talmudlschen Studien; und er hoffe bis in zehn Jahren Gelehrte herzustellen, die zu Censoren völlig geeignet die Juden überflüssig machen und gewiß keine christenfeindliche Stelle passiren lassen werden. Wahrlich, solche Mittel können durch keinen Zweck geheiligt werden! Und W. predigte im v. Winter in der Pinchassynagoge so schön über die religiösen und sittlichen Pflichten der Juden! — Wessely ist noch überdieß Religionslehrer an unserer Schule, undauchhier find seine Worte schön und das Ausführen mit ihnen im Widerspruch. Die Schülevmüssen wörtlich das V ord ictirte und das in W's. Religionsbuch Gedruckte hersagen: und so werden sie auf unerhörte Weise durch die Religion gepeinigt. W's Weg ist der geeignetste, der Jugend die Religion zu einem Gegenstand der Verwünschung zu machen, und verläßt sie

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.