Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 9 (September 1846)
- Date
- 1846-09-01
- Page
- Seite 337 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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337 Zur Geschichte der Juden in Polen. Dauernderes und Befriedigenderes als bei dem Verfahren, das sich so sehr der Ausplünderung nähert, zu Stande kommen werd,e! Der höheren Behörde sei die Beaufsichtigung anheimgegeben, die aber nicht in jede Kleinigkeit sich menge: unter des edlen Woronzo ff's Auspicien was ist nicht zu Odessa bei und durch die Juden selbst zu Stande gekommen! — Und auch die Colonisationen müßten allein durch Juden zu Stande gebracht werden, jüdischeAelteste die Angelegenheiten der Colonie ordnen und vertreten. So gediehen in ersterer Zeit die Judencolonien in Bessarabien; seitdem russische Richter bestellt wurden, welken sie dahin. Ob diese Ideale sich verwirklichen werden und wozu wir sie hier besprechen? Das freie und arssrichtige Wort öffentlich niedcrgelegt findet zuweilen bei einem Vorübergehenden Beachtung und nimmt er es freundlich in seinen Geist aus, pflegt und ziehet es groß und wird es in seiner Hand eine Mächtige Waffe. Vielleicht wird ein beredter Mund diese Worte mit.gediegener Kraft in weitere Kreise verbreiten, vielleicht wird hierdurch, ein schwacher Anfang gemacht, daß Manches weiter gelänge, vielleicht habendes edlenM. Montefiore's Bemühungen günstigere Ansichten erweckt und dürfte die einfache anspruchlose Meinung irgendwo Gehör finden. Aber es bedurfte auch mancher Aufklärungen den Glaubensgenossen jener Bedrängten gegenüber. Es wird von manchem deutschen Juden hart über die Polen abgeurtheilt und ihr Schicksal als nicht unverdient angesehen. Die obige Schilderung möge sagen, ob eine solche harte Lage verdient sein könne und ob nicht die polnischen Juden in Manches, was sie den Deutschen widerwärtig macht, gewaltsam hineingedrängt wurden. Nebrigetts hat das Nrtheil des Deutschen über seinen polnischen Glaubensgenossen auch eine unrichtige Basis. Es werden Jene, -die Polen verlassen haben und sich in Deutschland einbürgern wollen (von einer noch geringern Klasse schweigen wir) zum Maßstab genommen, und diese trifft häufig der gerechte Tadel, daß in ihnen jedes Höhere verloren sei, sie werfen das Bessere des alten Vaterlandes von sich und nehmen nur die Untugen^n des neuen an. Allein der Gegensatz der rohen Sitten und der Cultur, wie er dem sein Vaterland verlassenden Polen sich darbietet, der Zusammenstoß der sich widersprechendsten Ansichten, der Zauber, den die glänzende Verfeinerung und die blendende Aufklärung ausübt, lassen ein anderes Resultat kaum erwarten. In seiner Heimath, wo der polnische Jude diesen Einflüssen nicht ausgesetzt ist, sollen nach glaubwürdigen Berichten Mildthätigkeit gegen Arme (und wer hat mehr Gelegenheit, sie auszuüben, als der polnische Jude?), Enthaltsamkeit und andere sittliche Tugenden ihn zieren*); und welche *) Vgl. David Friedlander über die Verbesserung der Juden im Königreich Polen. Frankel, Zeitschrift 111. 26