Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 9 (September 1846)
- Date
- 1846-09-01
- Page
- Seite 338 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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338 Zur Geschichte der Juden in Polen. Bildungsfähigkeit, welche geistige Kraft und Scharfe liegt, nicht in. ihm! Wir hätten noch den neuesten geschichtlichen Punkt zu berühren : die Reise M. Montefiore's nach Rußland, um beim Kaiser Günstiges für seine Glaubensgenossen zu bewirken. Sehen wir von Montefiore's achtbarer Persönlichkeit und der ihm gewordenen huldvollen Aufnahme ab, so liegt einFactum, ein neuesErgebniß für die russisch-polnischen Juden nicht vor; und ist auch im Grunde das Unternehmen M's. noch nicht Geschichte, noch nicht Vollendetes, sondern ein Werdendes. Das Gerücht, daß M's. Reise ohne Erfolg gewesen, ist ein voreiliges, wenn nicht gar aus böswilliger Absicht verbreitetes. Daß Montefiore selbst bisher geschwiegen und jeder Mittheilung geflissentlich auswich, berechtigt zu dem Schlüsse, daß er mit Großem umgehe und vielleicht russischerseits selbst mit Großem beauftragt sei. Sollte eine Auswanderung gestattet werden, so wird wohl eine thätige Theilnahme der nahen und fernen Glaubensgenossen bekunden, daß das Religionsband, wie verschiedene Ansichten auch in neuerer Zeit hervortreten, noch ein starkes sei, und daß man die Bedrückung der polnischen Juden als eine Religionsverfol'gung erkenne*). — Möge eine baldige heitere Zukunft diese blutigen Streifen in der neuern Geschichte verlöschen! Die Geschichte der Juden im Freistaat Krakau, deren traurige Lage durch den Aufstand im Februar d. I. und dessen Folgen sich noch verschlimmert hat, bietet wenig Erwähnenswerthes dar, und so wollen wir noch einiges Literarhistorisches, in so fern hieraus mancher Beitrag zur Geschichte der Juden in Polen zu entnehmen ist, anführen. (Schluß folgt.) *) Auf den im Orieut 1846. Nr. I. und in dieser Zeitschrift (Januarheft 3. Jahrg.) ergangenen Aufruf zur Abhülfe für die rnss. Juden sind uns von viele» Seiten Versicherungen zugekommen, daß, so eine Aussicht auf Auswanderung sich zeigt, allenthalben sich Comitsen bilden werden. Es gereicht uns zu wahrer Befriedigung, unsere Anerkennung gegerl ein großes Haüs zu Paris auszusprechen, das seine weit ausreichende BeihKfe versprach. — Auch die Westend-Shuagoge zu London (vgl. oben S. 139) hat eine Collecte zu diesem Zwecke veranstaltet. — Wir gedenken hier noch mit gerechtem Bedauern eines zu früh Heimgegangenen Biedermannes, S. Rosenthal aus Hanop. Münde». Mit einem für alles Gute empfänglichen Gemüth hatte -er obigen Aufruf mit Warme ausgenommen (vgl. Märzheft S. 164). Seine Gemeinde hat, wie die von S. Mauer bei seiner Beerdigung den 6. Juli d. I. gehaltene Gedächtnisrede besagt, einen unersetzlichen Verlust erlitten, und der Gesammtheit ist ein Edler abgestorben.