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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1846-09-01 · 9 (September 1846) · p. Seite 336

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1846)
Issue
9 (September 1846)
Date
1846-09-01
Page
Seite 336 (sequence 18)
Language
German
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336 Zur Geschichte der Judeu i« Poleu. Man fängt gewöhnlich bei der geistigen Verbesserung an, einem im Grunde sehr bequemen und wohlfeilen Experimente. Der Staat bringt keineOpfer, sondern ruft den Juden zu: Verbessert euch, dann wird auch von unserer Seite gethan werden. Und nun wird freilich das Maß beliebig bleiben, vb und wieviel die Juden sich verbessert haben. Kommt zur Roth auch ezn Belobungsschreiben über den gemachten Vorschritt; und noch immer wird vom Staate deliberirt, was er für den Juden thun wolle.. Der Staat trete hervor, zeige, wie es ihm Ernst sei: und wie werden die Juden folgen! Von Seiten der russischen Regierung ist, wenn sie die Auswanderung nicht gestatten will, nach allen überkommenen Nachrichten, für ihre jüdischen Unterthanen das innere Rußland zu eröffnen. Die Juden sind in einigen Provinzen zusammengedrängt, und man will sie nun sogar aus den Dörfern treiben und sie allein auf die Städte verweisen*). Wie soll die Masse ihren Unterhalt finden, muß nicht die drückeydste Armuth mit dem ganzen Gefolge von Schmutz und Verwilderung sich einstellen? Und man beklagt sich noch über die von Juden getriebene Schmuggelei, will, daß die dem Hungertode Preisgegebenen auf vom Staate erlaubtem Wege Hungers sterben**)! — Durch Ansiedelung der Juden auf weiterm Raume wird auch der Absonderung, zu der die gegenwärtigen Verhältnisse nothwen« dig drängen, abgeholfen werden. Andererseits aber sind bei den Bildungsanstalten (Schulen), deren ganzeLast freilich nicht auf die Gemeinden gewälzt werden darf, die Gemeinden selbst durch gewählte Schulvorstände aus ihrer Mitte zu betheiligen. Selbst der Ortsrabbiner dürfte hier nicht fehlen; seine Theilnahme wäre für den großen Haufen die beste Belehrung; und nach den harten Erfahrungen der letzten Jahre werden die Rabbiner ihre Theilnahme nicht versagen. Es werde der Versuch gemacht: die Regierung setze fest, biö zu welcher Zeit Schulen errichtet werden sollen; sie gebe einen Theil der Mittel dazu her und beauftrage die Vorstände, den andern Theil herbeizuschaffen; ob nicht *) Diese harte Verordnung soll vorzüglich durch Machinationen polnischer Großen veranlaßt worden sein, die es den Juden noch nicht vergessen können, daß sie nicht im Aufstande 1830 u. 1831 Partei gegen Rußland nahmen. So wird nun de» Inden von der russischen Regierung vergolten! **) Refer. hatte Gelegenheit, ehrbare polnische Juden über die Schmuggelei zu befragen, und sie versicherten ihm, daß die Juden in solche Roth und trostlose Armuth versetzt seien, daß, wenn der Regierung nur wahrhafte Kenntniß von deren Lage würde, sie selbst erkennen müßte, daß, um nicht Hungers zu sterben, Mehrere hierzu gedrängt seien, und es allein in-den Händen der Regierung liege, die Juden durch einige Verbesserung ihrer Lage von diesem Geschäfte abzubringen-

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