Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 9 (September 1846)
- Date
- 1846-09-01
- Page
- Seite 335 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Geschichte der Jade» fn Polen. 335 verkehrtesten Mittel diese Brauchbarkeit gewaltsam zerstören. Der Vorwand, daß die Religion dem Juden im Wege stehe zur Aufklärung zu gelangen, ist zu abgenutzt, als daß er einer ernstlichen Widerlegung bedürfte; wir wiederholen nur, daß die Juden in Rußland auf keiner geringern Stufe als die christlichen Einwohner gleicher Klaffe stehen; getrauen uns aber zu behaupten, daß sie meist eine weit.höhere Stufe einnehmen. Ueberhaupt wäre es auch noch eine wichtige Frage, wie weit soll die Aufklärung bei den Juden getrieben werden, und ob dem Staate mit lauter wissenschaftlichen Juden gedient wäre? Daß sie aber die Elementarkenntniffe leicht erwerben werden, ist, da jeder Jude zeitig lesen und schreiben lernt, also schon einen Begriff von Buchstaben und daß man sich durch sie verständlich macht mitbringt, ohne gerade mit einer Divinationsgabe ausgerüstet zu sein, mit Gewißheit vorherzusagen. Aber ihr ganzes Leben wie ihre Gewohnheiten widersprechen dem staatlichen Leben, wird eingewendet; und man findet die Ursache hiervon im Talmud, dem man entgegenarbeiten will. Sehen wir nun, welche Mittel man hier versucht: Von dem Abbö Chiarini wurde schon oben gesprochen; seine Arbeit ist nach dem Urtheile wissenschaftlicher Männer, wir führen hier nur Zunz und Jost in ihren Gegenschriften an, eines der oberflächlichsten und unwürdigsten Werke, geeignet, die Wissenschaft mit Schamröthe zu erfüllen. Es soll auch jetzt zu Petersburg ein Gelehrter beauftragt sein, den Talmud zu prüfen und seine Quintessenz wiederzugeben. Liegt eine Bürgschaft vor, daß er das Riesenwerk, an das so viele Kräfte sich seit Jahrhunderten vergebens versucht, zuStande bringen und den Geist des Talmuds treu wiedergeben werde? Der Gewinn dürfte höchstens nur sein, daß ein neuer Vorwand geboten werde, die Juden zu bedrücken; aber wir nehmen an, daß die Regierung wohlmeinend den „Vorwand" von sich weise. Daß übrigens derartige Schriften den Juden selbst nicht belehren und an ihm ganz spurlos vorübergehen, is< zur Genüge bekannt. Er liest sie nicht, da er weiß, in welchem Geiste sie geschrieben sind; und widmet er ihnen ja einige Aufmerksamkeit, so wird er bald mit tiefer Verachtung gegen die hier sich so häufig breitmachende Unwissenheit und vorsätzliche Entstellung — zu der Neophyten, denen die russische Regierung zu viel Vertrauen schenkt, gern die Hand bieten — aus der Hand legen. — Aber das Hinderniß, den Juden für das staatliche Leben heranzubilden, liegt auch nicht im Talmud, — Holland, England, Frankreich sind Zeugen — sondern in dem staatlichen Leben selbst mit seiner Unduldsamkeit und seinen Vorurtheilen gegen die Juden, wie es sich noch in neuerer Zeit vorzüglich in Rußland zeigt. —?Oas erste Zeichen des Wohlwollens der Regierung müßte sich in einer materiellen Verbesserung bekunden.