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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1846-09-01 · 9 (September 1846) · p. Seite 333

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1846)
Issue
9 (September 1846)
Date
1846-09-01
Page
Seite 333 (sequence 15)
Language
German
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Zur Geschichte der Jude» in Polen. 333 teristisch ist folgender Zug. In der Stadt W. bestehet eine Gemeinschaft aus armen jüdischen Handwerkeru, die zu einer kleinen Kaffe zusammensteuern, damit, wenn Einem von ihnen das Werkzeug zerbricht oder abhanden kommt, er Mittel, ein neues zu erlangen, erhalte. Auchdiese Gemeinschaft wurde in Contribution gesetzt und mußte einen Theil ihres unbedeutenden Fonds zu der allgemeinen Schulkasse hergeben! Und fließt auch dieses den Armen abgenommene letzte Opfergeld wirklich nach dem Orte und dem Zwecke seiner Bestimmung? Es wird in schriftlichen und mündlichen Aussagen aller Fremden so sehr über die Habsucht der russischen Beamten geklagt; ist noch eine Darlegung der Einnahmen und Ausgaben erschienen? Wie viel ist auf dem Wege bis zum Schulfonds verloren gegangen? Wohl mag der hochgebildete Minister von Uwarow vom besten Geiste beseelt sein und ist es ihm nicht zu thun, „um einen Rang in der Meinung Europas zu behaupten" zallein dieser Geist muß wie alles Geistige zu gewinnen und zu überzeugen suchen. Nicht von Erpressungen und Abgaben, sondern von Opfern, die die Regierung selbst bringt, muß begonnen werden; dann werden auch die Juden Vertrauen fassen. Bis zur Zeit wurde in Rußland ganz das Gegentheil.hinsichtlich der Juden beobachtet und in einem entschieden feindlichen Geiste gegen sie verfahren. Es cursiren zwar Circulare in russischer und hebräischer Sprache, die auf Befehl der Regierung an den Sabbaten in den Synagogen verlesen werden und in welchen die den Juden erzeigten Wohlthaten der Regierung angepriesen werden. Allein wir übernehmen es, nachzuweisen, daß diese Wohlthaten ebenso viele Leiden und Bedrückungen für die Juden.sind. Es wird ihnen angerechnet, daß man sie für würdig erachtet hat, in den Militaivdienst einzutreten. Aber in Rußland, wo Verbrecher zur Strafe ihres Vergehens unter das Militair gesteckt werden, kann es doch wohl mit dieser Würde nicht so viel auf sich haben? Und für den Juden ist noch überdieß dieser Dienst mit der ausdrücklichen Vorschrift bezeichnet, daß er nicht avanciren, nie eine höhere Militaircharge einnehmen könne : wo also hier auch nur das entfernteste Zeichen einer Wohlthat? Man beraubet ihn seiner Kinder, man schickt sie in Militairschulen, sie werden ihren Eltern, ihrem Glauben entrissen: und dieses ist nicht Bedrückung? Und dürfte nicht überhaupt gefragt werden, ob den russischen Juden mit Recht die Militairpflicht auferlegt werden könne? Sie sollen ihr Leben für ein Vaterland opfern, das sie zurückstößt, das auf ihre Ausrottung, ihre Vernichtung bedacht ist? Ja es wird sogar in Polen noch die aus der Sachsenzeit sich herschreibende Rekrutensteuer, obschon die Juden militairpflichtig sind, eingefordert! — Es wird ihnen ferner als

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