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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1846-09-01 · 9 (September 1846) · p. Seite 332

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1846)
Issue
9 (September 1846)
Date
1846-09-01
Page
Seite 332 (sequence 14)
Language
German
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Zur Geschichte der Juden in Polen.- langen? Daß aber der polnische Jude mehr Fähigkeiten als sein christlicher Mitbürger besitze, daß er durch Mäßigkeit, Unverdrossenheit und regen empfänglichen Geist sich vor jenem auszeichne, ist von vielen Seiten anerkannt: welchen Weg schlägt nun die Regierung ein? Sie überzeugt nicht, sie bildet nicht, sondern läßt nur-den Juden allenthalben ihren Haß empfinden, ihren Haß, der ungerecht ist, wenn er aus der Religionsverschiedenheil hervorgehet, und unbillig, wenn er aus Ungeduld, weil die Juden nicht sogleich die wohlthätige Absicht erkannt, entspringt. Wir haben oben nur die Pflicht des Uebersetzers erfüllt und halten Manches in Hollaenderski's Schilderung nur für Eingebung eines übergroßen Schmerzes. Hören wir auf das, was eine wohlmeinende Absicht der Regierung bekundet. Im 1.1842 wurde vr. Lilienthal, damals Religionslehrer in Schlock bei Riga, nach Petersburg berufen, um einen Schulplan zu entwerfen und die verschiedenen Gemeinden zu bereisen. Daß Lilienthal bei wenigerm Selbstvertrauen und genauer Würdigung seiner Kräfte diesenRuf hätte zurückweisen müssen, mag er heute wohl selbst erkennen; ihm gingen keine Antecedentien, keine hervorragende Gelehrsamkeit und imponirende Geistesüberlegenheit voran, noch war er genau mit den inneren Zuständen bekannt: er hat nun trostlos Rußland verlassen und trägt mit sich das Bewußtsein, die Lage seiner Glaubensbrüder verschlimmert zu haben! Will die Regierung bilden, so gewinne sie zuerst Vertrauen : sollen die Juden ihre Kinder in Schulen schicken, so lege die Negierung Schulen an. Aber Jene, die, wie dieRegierung voraussetzt, einen Widerwillen gegenBildung haben, zwingen, aus ihren Mitteln Schulen anzulegen, die von ihren Kindern besucht werden sollen! Ist Bildung etwa ein materielles sinnliches Element, das mit der Knute befördert und herangezogen wird? Will man jene Worte zur Wahrheit machen, die Custin e in seinem Werke über Rußland der Kaiserin Katharina II. in den Mund legt: „Wenn ich Schulen gründe, so ist es nicht für uns, sondern für Europa, wo wir in der öffentlichen Meinung einen Rang behaupten wollen"?' Roch mehr! Diese Schulen werden angelegt mit dem blutigen Schweiße der Juden. Diese, mehr als je in ihrer Nahmng beschränkt und von unbeschreiblicher grenzenloser Armuth fast aufgerieben, sollen ihr Letztes hergeben, damit Schulen errichtet werden, sollen ihre Kinder verhungern sehen, damit sie durch geistige Nahrung wieder aufgefrischt werden, sollen ihnen das Brod entziehen, von jedem Bissen Fleische eine Abgabe entrichten, auf daß in diesen Kindern gebildete Bürger heranwachsen! Lilienthal bereiste die jüdischen Gemeinden Rußlands zum Zwecke der Errichtung"der Schulen. Jede Gemeinde mußte nun die Mittel der Gemeindekasse angeben, aus deren Fonds Schulen angelegt werden sollen. Cbarak-

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