Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 9 (September 1846)
- Date
- 1846-09-01
- Page
- Seite 331 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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331 Zur Geschichte der Juden 1» Polen. und preußischen Polen vvrwaltenden Elements scheint sich auch die eigenthümliche Erscheinung erklären zu lassen, die der in diesem Jahre du Ausbruche erstickte Aufstand Polens zeigte. In dem preußischen Theile war es mit auf die Juden abgesehen: diese sollten zuerst der Freiheit als Opfer fallen, und aus ihrem Blute Polen sich erheben, während der in Krakau residirende und mit dem angrenzenden Galizien in naher Verbindung stehende Tyssowski für die Juden Gleichheit der Rechte proclamirte. Daß der Aufstand in Galizen von der demokratischen, der Aufstand in Preußen von der aristokratischen Partei zu Paris ausgegangen sei, gibt keinen befriedigenden Aufschluß, da auf beiden Seiten so viel Judenfreunde als Judenfeinde (man denke nur an Lelewel) sich finden mögen. Wohl aber mochten die Polen in den polnisch-preußischen Juden, die sich das Deutschthum einverleibt, natürliche Feinde oder Abtrünnige, in den galizischen Juden, die dem Slavismus treu geblieben waren, Freunde erblicken. Den schmerzlichsten Punkt bildet die neueste Geschichte der unter russischem Scepter lebenden polnischen Juden. Die in den letzten Jahren erlassenen Ukase leben noch frisch in Jedermanns Angedenken und tragen an sich den Stempel einer beispiellosen Härte. Manches soll zwar nach genaueren Nachrichten übertrieben sein; so soll das Vorgeben, daß das Projekt zu einem Ukas vorliege, nach welchem jeder Beschneider fünf Jahr für die Gesundheit des von ihm beschnittenen Kindes bürgen müsse, und im Falle diesem ein Unfall zustoße, der Beschneider nach Sibirien wandern müsse, nur von Uebelgesinnten erfunden sein, um der russischen Regierung alle Last des Despotismus aufzubürden. Auch das Projekt, daß die Juden das Fleisch, das nach ihrem Ritus ihnen nicht zu essen erlaubt ist, vergraben müssen, soll ebenfalls nur zu solchem Zwecke ersonnen sein. Aber bleiben wir bei den authentischen Ukasen stehen: von welchem Geiste sprechen sie? Der Ukas, daß die Juden fünfzig Werst von der Grenze ihre bisherigen Wohnsitze verlassen müssen, der Ukas der neuen Fleischsteuer zum Behuf« von Schulen, der Ukas, daß bis zum 1.1850 die Juden sich entweder in Gilden eingereihet oder als Handwerker angegeben haben müssen, und diejenigen, die weder hierher noch dorthin gehören, als heimathslos erklärt und nach dem Willen der Regierung mit ihnen werde verfahren werden: sie athmen Haß undVernichtung gegen dieJuden! — Prüfen wir vorerst dasVorgeben der Regierung, daß sie die Cultur und die Bildung der polnischen Jude» beabsichtige. Vor Allem dürfte zu untersuchen sein, ob die russisch-polnischen Juden an Cultur hinter dem russischen und polnischen Bauer und Bürger zurückstehen? Mit welchem Rechte an den Juden einen höher» Maßstab legen, von ihm größere Vollkommenheit ver-