Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 9 (September 1846)
- Date
- 1846-09-01
- Page
- Seite 330 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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330 Zur Geschichte der Zude» in« Polen. ralisirende Auflage aus feineu Steuerrollen schwinden sehen. Nicht nur alsLohnder bei dem jüngsten Aufstand bewährten Treue (vgl. a. a.O.), sondern als rin derbeleidigten Menschheit, freilich spat genug dargebrachter Tribut muß Oesterreich diese schmähliche Steuer, für die sich kein RechtSgruud auffinden läßt, aufheben. Der Name Jude ist den Fürsten und den Regierungen unseres Jahrhunderts nicht mehr ein Stichblatt der Erpressung und der Willkürlichkeit: Joseph n. trat als Freund der Menschheit, aksAnnehmer der Juden auf zu einer Zeit, wo noch Friedrich der Große seine Juden als M i t t e l benutzte und durch sie seine Porcellanfabriken hob; an wem mehr als an Oesterreichs milder Regierung liegt es nun, die vorgezeichnete Bahn wieder zu betreten? lind den Juden wurden bei der Ilebernahme des polnischen Antheils Rechte von Maria Theresia' zugesichert, die häufig geschmälert wurden, die durch diese Steuer die tiefste Beeinträchtigung erfuhren. Als im Jahre 1826 Kaiser Franzi. Galizien besuchte, machte eine Deputation jüdischerNotabeln ihm die Aufwartung. Unter Anderm entwarf sie ihm das traurigste Bild von dieser dieJuden aufteibenden Steuer, deren beträchtliche Rückstände die Juden vollends zu Grunde zu richten droheten. Der Kaiser, gerührt von dieser erschütternden Darstellung, erließ die Rückstände; die Auflage ganz aufzuheben, istdem gegenwärtigen Monarchen Vorbehalten. Mcht um einen Gelderlaß allein, sondern um geistige Befreiung, um Erlösung aus den Händen raubgieriger despotischer Pächter, um Rettung vor den Erpressungen einiger Blutsauger, um würdige Vertretung innerhalb der Gemeinde und Sicherstellung der heiligsten Interessen, die durch die Rormirung des persönlichen Werthes nach der Lichtsteuer so sehr gefährdet und beeinträchtigt sind (vgl. a. a. O., ferner: Galizische jüdische Zustände, Leipzig 1845) bewegt sichdieseFrage, derenLösung von allen Seiten mit vieler Sehnsucht entgegengesehen wird. — In staatsgeschichtlicher Hinsicht (vom Religionsgeschichtlichen sehen wir jetzt ab) waltet in den galizischen Juden grbßtentheils der slavischeMoment vor. Zwar ist auch dort deutsche Bildung eingedrungen, doch soll sich bis jetzt nur deren Kehrseite gezeigt haben : die Männer der Reform suchen mit Gewalt ihre An- und Absichten durchzusetzen, sie haben sich dem religiösen Leben des Volkes ganz entfremdet, stehen auf einem ganz entgegengesetzten Boden, der nur schwach die Religion zur Unterlage hat, und wollen nichtsdestoweniger als die Vertreter eines reinen Judenthums ungesehen werden*). — Aus dieser Differenz des in dem österreichischen *) Vgl. über Lemberg Galiz., jnd. Zustande S. 88. Man trifft jedoch auch hier nicht selten auf Ausnahmen: Mau»er, die mit echter Bildung und gediegener Wiffenschaftlichkeit «ine» wahrhaft religiösen Sinn verbinden; und freuet sich Rest, mehrere dieser Männer zu seinen Freunde» zählen zu dürfen.