Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 9 (September 1846)
- Date
- 1846-09-01
- Page
- Seite 329 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Geschichte der Judeniu Polen. 329 Doch wir verlassen die Ausgewanderten, die ihre eitlen autokratischen und demokratischen Rollen fortspielen und. die Juden in ihrem zu Paris erträumten Reiche emancipiren oder vernichten mögen*),' und wenden uns ztl dem wirklichen Polen zurück. Am gelindesten ist das Schicksal der Juden in dem, Preußen zugefallenen Theile. Hier dürfen sie auch die besseren Tage unter Casimir dem Großen nicht beneiden: es fehlt ihnen nur noch wenig. zur völligen Emancipation, Auch befreien sie sich stets mehr von dem der Cultur und der Aufklärung sehr wenig förderlichen slavischen Element, und macht sich bei ihnen zumeist deutscher Einfluß und deutsche Gesittung bemerklich. Ob ihre Bildung eine tiefere religiöse und sittliche GrundlageHat, ob sie beidem Zusammenstoß des Alten mit dem Neuen, des langjährigen Druckes mit dem Aufschwünge zur bürgerlichen Freiheit, der mit manchem Aberglauben geschwängerten Starrheit mit dem an Unglauben reichen Zeitgeist einen Charakter, ein Festhalten an Religion und väterlichem Glauben bewähre» werden, hierüber mag crstdie Zukunft sprechen und darfnach einzelnen trüben Beispielen, denen vielleicht ebenso viele erfreuliche entgegentreten, kein Prognosticum gestellt werden. - In Galizien unterscheiden sich die bürgerlichen VerhältnissederJuden wenig von denen der Juden in den anderen österreichischen Provinzen (mit Ausnahme von Ungarn und Italien). Sehr drückend lastet auf den galizischen Juden die sog. Lichtsteuer (vgl. AprilheftS.141); nach dem Vorgänge der Aufhebung der Judensteuer in Böhmens. Tagesbegebenheiten) wird aller Wahrscheinlichkeit nach auch Galizien dieseder Regierung unwürdige und den Juden erdrückende unddemo- *) Wir verlassen auch hiermit Hollaenderski, der zu einer Schilderung der polnischen Secten übergehet, zu der es ihm sowohl an Wissen als an Tiefe der Auffassung gebricht. Eine kleine Probe möge genügen. Er erzählt (S. 217) von den Karaiten: „Sie bestimmen ihre Monate und ihre Festtage nach dem Neumond und stützen sich auf die Schrift (Numer. 28, 14): „Dieses ist das Opfer des Monatstages, wenn er sich erneuert ff." 'Die Rabbaniten aber behaupten, daß mau die Monate und Festtage nach der astronomischen Sonne (!!!) mache» müsse, nnd stützen sich auf den Pentateuch (Deuteron. 4, 6). „Das Gesetz wird sein neuer Ruhm vor den Augen der Völker ff." Doch find die Kara!- ten, obschon sie nach dem Erscheinen des Neumondes rechnen, gezwungen, das Mondmit dem Sonnenjahre auszngleichen." Dieses gibt einen ungefähren Begriff von H'S. Befähigung, über Secten und deren Principien zn sprechen; und wie oberflächlich ist seine Darstellung der Chasfidim, Sabbatianern, Franksten u. s. w. Nichtsdestoweniger sagt der bekannte französische Gelehrte Ad. Frank in einem dem obigen Werke vorgedruckten Briefe an H-: „Sie wußten die gelehrten (!) Untersuchungen Peter Beer's und die geistvolle» Mittheilungen Ihres Landsmannes Salomon Maimon über die religiösen jüd. Secten in Pole», mit neuen Details zu bereichern."