Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 9 (September 1846)
- Date
- 1846-09-01
- Page
- Seite 328 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Geschichte der Juden in Polen. fibenten beurtheilen, so müßte dieses demokratische Nationalcomits und die von-ihm Vertretenen einen eigenthümlichen Begriff von Freiheit und Volksthum Hervorbringen. Als man von der Gründung von Nationalbanken und der Nothwendigkeit, die Bauern zu Grundeigenthümern zu rnachen, sprach, gerieth Lelewel in Zorn und wies in einer öffentlichen Broschüre auf das Schicksal der Kosaken hin, deren Unglück und gegenwärtige Sclaverei nach feiner Meinung aus dem früher von ihnen gehegten Wunsche, zu besitzen und Eigenthum zu Habens herrühre. Auch wollte er beweisen, daß es keine Leibeigenen in Polen gebe; die Bauern sind nur „ ausgesetzt der Willkür ihrer Herren "! — Auch die Juden kamen an die Reihe- und schlugen Einige deren Emancipation vor. Lelewel hatte keine andere Entgegnung alS: „Ich liebe nicht dieJuden, sie sind Spione, Blutsauger, Berräther: mögen sie nach Asten gehen. Ich traue selbst den Bekehrten bis zum sechsten Geschlechte nicht. Es ist ein verfluchter Stamm." So sprach der frühere Professor und Alterthumsforscher zu Willna, der jetzt selbst als Flüchtling in fremdem gastfreundlichen Lande sich befand. Die anderen,Mitglieder des Comits, sehr frappirt über diese Sprache, vermeinten unter sich, „daß Lelewel nur so spreche, weil, er selbst der Nachkomme eines Juden sei; und die Getauften, um ihren Ursprung nicht zu verrathen oder für ihn Verzeihung zu erlangen, sich durch Antipathie gegen ihren Stamm auszeichnen wollen." Man arbeitete daher Lelewel entgegen und beschloß einen Aufruf an die polnischen Juden zu erlassen, den Lelewel nothgedrungen selbst redigirte. In diesem an geschraubter Emphase und lächerlichen Prätensionen nicht armen Aufruf wird den Juden vorgerechnet, wie trefflich sie sich immer in Polen befunden und wie glücklich sie unter der Republick Polen waren; wird ihnen erzählt, wie Polen nach dem göttlichen Gesetz Deuteron. 17,14—20 regiert wurde; wie unglücklich jetzt die Juden seien, die unter österreichischem, preußischem und russischem Scepter stehen, und werden sie endlich aufgefordert, Eins zu sein mit den vertriebenen Polen und ihnen am Tage ihrer Rückkehr entgegenzukommen , ihre letzten Kräfte für die Freiheit, die nun allen Völkern und auch der polnischen Ration winkt, anzustrengen, wofür auch ihnen Freiheit und gleichmäßige Rechte in dem neuen Polen versprochen werden. Es ist nur zu bedauern, daß man erst dann zu großmüthigen Versprechungen kam, als man nichts mehr zu erfüllen im Stande war! — Die Fraktion Czartoryski stieß anfangs ebenfalls die polnischen Juden zurück; durch Czynski's Einfluß kam der Fürst zu besserer Gesinnung und finden bei ihm jüdische Auswanderer Polens Unterstützung. Doch überwiegt hier das Ansehen der Geistlichkeit und werden in den Schulen für die polnische Jugend zu Paris jüdische Kinder nicht angenommen.