Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 9 (September 1846)
- Date
- 1846-09-01
- Page
- Seite 327 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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327 Zur Geschichte der Juden ru Pole». ter der Jnsurrection nicht kannten, dem Feinde leisten? Einige Elende, durch den Gewinn angeregt, überbrachten einige unbedeutende Neuigkeiten; während mehrere katholische Edle, die hohe Posten einnahmen ihre Pflichten als Bürger vergaßen, ihr Vaterland verriethen und dem Feinde die Staatsgeheimnisse verkauften. Einige elende jüdische Spione haben die Verfolgung, das Elend, die Verzweiflung, die Rache für zahlreiche ungerechterweise hingeschlachtete Opfer zur Entschuldigung. Welche Rechtfertigung können Polen verbringen, die im. Genüsse aller Rechte und aller Begünstigungen sich befanden? Man stehet jetzt hochgestellte Personen bei den Russen, die während des Krieges doch nichts weniger als eraltirte Patrioten gewesen sein können. Der Kaiser Nikolaus hat sie nach der Einnahme von Warschau reichlich belohnt: Kreuze, Ordensbänder, Pensionen, Güter, alles wurde auf sie gehäuft. Für welchen Dienst?! — Während Männer von wirklichem Verdienst, die nur im Verdacht des Patriotismus stehen, leiden und zuweilen das Haupt vor Jenen beugen müssen, die ehedem ihren Schutz suchten. Wie ungerecht also, auf die Masse der Juden der Vorwurf der Spionerie zu wälzen! Und auf der andern Seite mit welchem Rechte will man die Juden über ihre Gleichgültigkeit und ihre Kälte gegen die Revolution anklagen, gegen eine Revolution, die sie gleich von Anfang an zurückftieß? Sagt doch die Ordre des. Diktators Chlopicki vom 11. December 1830: „Die Juden, da sie kein Bürgerrecht besitzen, werden durch eine Contribution zur Ruhe der Stadt beitragen." Die polnische Regierung, der Diktator, die Minister, der Reichstag sind die allein Schuldigen, sie haben die Juden ausgeschlossen! Nachtrag. Wir haben bisher Hollaenderski größtentheils treu wiedergegeben, und verlassen wir ihn jetzt, da er weiter die Geschichte des chimärischen in Paris bestehenden polnischen Reiches verfolgt. Auch hier treten zwar manche interessante Züge derGesinnung des polnischen Adels hervor. Selbst die vertriebenen und nur durch den Gedanken an eine einstige Wiederauferstehung des Vaterlandes noch gehaltenen Polen können nicht zur Einigung kommen,, und haben sich zwei Parteien gebildet, deren eine in dem Fürsten Czartory ski, einem Nachkommen der Jagellonen, Polen repräsentirt sieht; die andere, die Czartorhski alle Schuld des Mißlingens der Jnsurrection zuschreibt, huldigt dem denwcratischenPrincip, und wird von einem- „Nationalcomite" vertreten, an dessen Spitze Lelewel steht. Wollte man diese Partei nach ihrem Prä-