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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1846-09-01 · 9 (September 1846) · p. Seite 326

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1846)
Issue
9 (September 1846)
Date
1846-09-01
Page
Seite 326 (sequence 8)
Language
German
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326 Zur Geschichte der Jude» in Pole». nach. Als bei einer andern Gelegenheit ein Pole, der zufällig bei der Erecution eines von ihm gekannten Juden gegenwärtig war, verlangte, daß man zuvor eine Untersuchung über sein Betragen (ob nämlich der Verdacht der Spionerie gerechtfertigt sei) anstelle, antwortete Puszet spöttisch, „daß die Untersuchung auch später angestellt werden könne und er es an der Ordnung Halte, den Juden inzwischen aufhängen zu lassen." ES ist überflüssig, über derartige Thatsachen Bemerkungen zu machen. Ostrowski beklagt sich in seinem Werke über zahlreiche Vergehen dieser Art. „Ich könnte meine Behauptung mit zahlreichen Beispielen unterstützen, sagt er, allein ein einziges, das mir genau bekannt ist, genügt. Als einst unsere Cavalerie durch ein Dorf ritt, bemerkte sie einen Judenkopf, der durch eine Dachlücke herausschaute. Halt, schreit man, wir haben einen Spion, herunter mit ihm l Und man hing ihn sogleich auf. . Wahrscheinlich hatte sich dieser Jude, der Mißhandlung befürchtete, verborge» und sah von oben herab, ob die Gefahr schon vorbei sei; er war vollkommen unschuldig und Vater von sechs Kindern. Dieses Verbrechen wurde dem Obergeneral berichtet. Der Offizier wurde entsetzt und kam ins Gefängniß. Ist dieses aber eine genügende Bestrafung für den Mord eines Bürgers, dessen Waisen ins Elend gestürzt wurden?" Einreicher Jude, Namens Posner, Eigenthümer mehrerer Grundstücke und Dörfer und Besitzer einer Tuchfabrik, in der er einige hundert Arbeiter beschäftigte, Bürger zu Warschau und Greis von 65 Jahren, begegnete, nachdem er in den ersten Tagen der Revolution unentgeltlich viel Tuch der Armee geliefert hatte, mit seinem Sohne und Schwager den sogenannten Patrioten. Man schleifte sie, ließ sie vor den Pferden barfuß während des größten Unwetters bis nach Warschau herlaufen. Die Patrioten wollten sie anfangs aufhängen und nur durch die Vermittelung eines höhern Offiziers, der das Versprechen gab, sie öffentlich in Warschau richten und bestrafen zn lassen, wurden sie aus den Händen der Wahnsinnigen gerettet, und erlangten bei ihrer Ankunft in der Hauptstadt als völlig Unschuldige ihre Freiheit. Anderen Juden riß man dieAugen und die Zunge aus, ohne daß Jemand ihre Vertheidigung übernahm. Welche Vorwürfe sind nicht den polnischen Patrioten, den Männern des Fortschrittes zu machen, die nicht die Oeffentlichkeit dazu' benutzen, um durch Schriften und Proklamationen die Geister aufzuklären und edlere und gerechtere Gesinnungen zu erwecken! Mit welchem Rechte wundert man sich, daß in Folge solcher Behandlung es einige Juden gegeben habe, die Spione waren? Und abgesehen hiervon, welchen Dienst konnten Menschen, die in keiner Verbindung mit den Generälen, mit den Gliedern der Regierung standen, die die Pläne der Häup-

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