Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 9 (September 1846)
- Date
- 1846-09-01
- Page
- Seite 323 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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323 Zur Geschichte der Jude» in Pole». rem Chef und Commandirenden der, ganzen Rationalgarde zu erklären, daß wir Dir aufs möglichste durch anhaltende Anstrengungen in derErfüllung der der Nationalgarde vorgeschriebenen Pflichten danken (werden); und wir wollen Dir als dem wahrhaften Patrioten und Freund der Menschheit nicht verbergen, daß Du durch Deine Stimme mehrHerzen an das Vaterland und an die Bürgertugenden gefesselt hast, als die Mißbräuche vieler Beamten davon loSzureißen vermochten. Geschehen Warschau, den 31. Januar 1831. (Folgen die Unterschriften.) Der.Graf Ostrowski begleitet in dem vorgedachten Werke diese Adresse mit folgenden Bemerkungen: „Beweiset nicht diese Adresse der Israeliten, daß sie ihre traurige Lage wohl kannten? Mit welcher Wärme wünschen sie eine Verbesserung ihres Schicksals; mit welcher Dankbarkeit nehmen sie die Erklärung auf, welche in ihnen die Würde des Menschen erhebt und ihnen einen kleinen Hoffnungsstrahl gibt, dass endlich eine bessere Zukunft für das israelitische Volk in Polen vorbereitet werde. Gewiß, ihre in dieser Adresse ausgedrnckten und mit Lebhaftigkeit wiederholten Wünsche sind rührend. Sie dankten mir aufrichtig, daß ich das Recht errungen, sie aufzunehmen in die Nationalgarde, daß ich mit ihnen als Bürger gesprochen, obschon ich selbst gebunden war durch einige noch geltende Vorschriften, die hinsichtlich dieser zahlreichen Einwohner noch nicht genug enthüllt und (nicht) aus der wahrhaften Urquelle geschöpft sind, aus der die Nothwendigkeit der Gleichheit der Rechte unter den Menschen hervorgehen soll." Etwas weiter fahrt Ostrowski fort: „Die Juden zu Warschau haben die Gelegenheit, die ihneneine glücklichere Zukunft versprach und sie dem Stande der Erniedrigung entriß, mit Begierde ergriffen. Sie ließen sich freiwillig einschreiben unter die Compagnien der Nationalgarde, obschon sie sich durch Deponirung einer gewissen Summe für die Bedürfnisse der Nationalgarde hätten davon befreien können, und obschon zu dieser Zeit der Dienst sie zurückschrecken sollte, da er in einer Stadt, unter deren Mauern der Feind oft erschien, zu leisten war, und die Thätigkeit und die Gegenwart jedes Bürgers unter den Waffen je alle vier Tage verlangte! Trotz diesem Allen zogen die Israeliten mit Vergnügen die Uniform der Nationalgarde an, opferten Mehrere, da dieses als eine vonckttio sine qua non gestellt wurde, ihren Bart; und was noch wichtiger, sie haben außergewöhnliche Proben ihres Eifers und ihrer Genauigkeit im Dienste abgelegt und niemals Strafe verdient. Ich muß hier die Bemerkung machen, dass die jüdische Jugend, und vorzüglich jene, welche aus polnischen Schulen hervorgegangen war, sich mit dem besten Willen beeiferte, diese neue Laufbahn zu betreten; was von Neuem beweiset, daß dieses Volk bereit ist, die Civilisation anzunehme», . ' 25*