Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 8 (August 1846)
- Date
- 1846-08-01
- Page
- Seite 318 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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318 ' Retensionett. lich behandelt, und glauben wir daher nicht, mit dem Verfasserdaß der Mangel an „ZeLtgemäßheit" ihm zum Vorwurf gereichen wurde. Jede wissenschaftliche Forschung ist zeitgemäß, indem sie die Wahrheit' fördert; und mögen auch einige Männer die Wissenschaft zu gewissen Zwecken mißbrauchen, und nur ihrer Tendenzen wegen Untersuchungen führen, die Stimme des Publikums billigt diese EutwürdigurH der Wahrheit nicht, und wird immer vagegen einen wissenschaftlichen Beitrag, wie er uns hier geboten wird, zu würdigen wissen. Wir begrüs . ßen darum auch freundlich diese erste Arbeit des geistvollen Verfassers. Derselbe versucht nämlich uachzuweisen, daß die Gnosis schon in den ältesten Zeiten der Tavaiten theils Aufnahme, theils Widerspruch gefunden hat, namentlich die ältere Gnosis. So richtig nun auch die Behauptung ist, und so Unbestreitbar, so scharf und deutlich der Nachweis geführt wird, so haben wir doch gegen Manches einige Bemerkungen zu machen, und müssen zu diesem Ende etwas genau den Begriff und Geist der Gnosis anzugeben suchen. Untee Gnosis versteht man im Allgemeinen die Geistesrichtung der ersten christlichen Jahrhunderte, und die philosophischen Bestrebungen der damaligen Zeit; man theilt daher dieselbe je nach dem individuellen Standpunkte der einzelnen gnostischen Lehrer in eine heidnische, christliche und wohl auch jüdische, weil mit ihr die Gesammtthätigkeit des Geistes in seinen philosophischen Arbeiten bezeichnet wird. Zu einer genauer» Charakterifirnng dieser Richtung muß zuvor bemerkt werden, daß dieser Zeitepoche der schöpferische Genius ubging, dafür aber eine außerordentliche Reproductionsgabe eigen war. Aus Mangel an Echöpsungskrast schloß man sich den überkommenen und verbreiteten Systemen an und huldigte autorisirten Lehren; dagegen aber suchte man, um eben das Fremde sich anzueigneu, es zu verarbeiten und zu vergeistigen. Das Reprodueirte aber entbehrt die innere geistige Urkraft, und erregt nur das Anschauungs- Vermögen; es wird vermöge des Gedächtnisses, das die Hauptpunkte sesthält, zu einem Phantasiegebilde, was früher der logischen Berstandesthätigkeit entsprang. Denn das Gedächtuiß, als etwas Sinnliches, kann das Reiugeistige und Verständige nicht fassen, und nimmt daher in demselben, Um es in feinen Umrissen zu firiren, sinnliche Hauptzeichen heraus, die den geistigen Gehalt itt Erinnerung bringen sollen. Diese Erinnerungszeichen, vom Geiste gedeutet und erkannt, führen eine Erkenntniß der Dinge herbei, die eigentlich nur eine geistvolle Anschauung ist, und mit dem emphatischen Namen „Gnosis" — Erkenntniß — benannt wurde. Die Gnosis hat demnach aus den verschiedenen griechischen Schulen, besonders aber aus den vorzüglichsten, der ionischen, als der ältesten, der pythagoräischen, als der durch die Mystik am meisten zusagenden, aus den platonischen und aristotelischen, als den bedeutendsten, und den stoischen und den peripatetischen (ven jüngeren), als den am meisten verbreiteten, wie ferner aus den orientalischen Religionssvstemen, besonders dem Parsismus und später dem Magismus, all diejenigen Resultate entnommen und zusammengestellt, die eine gewisse Autorität für sich hatten und einen positiven Charakter an sich trugen, die etwas Bestimmtes und Einleuchtendes enthielten. Solche Resultate wurden verarbeitet und vergeistigt, und in Einem historischen Bilde eingerahmt; jtf würden vermittelst der Phantasie combinirt und durch geheimnißvotte Annahmen zur Anschauung gebracht. Nach dieser kurzen Charakteristik der Gnosis dürste sich die Wahrheit der von unserm Verfasser aufgestellten Behauptung von dem Vorhandensein gnostischer Elemente im Talmud als von selbst erwiesen ergeben. Es dürste nämlich nur