Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 8 (August 1846)
- Date
- 1846-08-01
- Page
- Seite 298 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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298 Zur Geschichte der Juden ln Polen- Position eines freisinnigen Polens. Allein unglücklicher Weise war Lies nicht die Bestimmung unseres Vaterlandes. Der General ChlopickH an die Spitze der Angelegenheiten gestellt, glaubte nicht an die Nationalkraft, kannte nicht die Bürger, wußte nicht, welche Macht aus dem Kampfe für die Befreiung der Massen hervorgehen konnte. Eine solche Leitung mußte ein unglückliches Ende herbeiführen. Wir wollen jetzt stehen bleiben bei dem Schicksale der Juden in vem letzten polnischen Unabhängigkeitskriege. Wir gehen hier nicht darauf ein, die Vorfälle von 1830 und 1831 zu erzählen, wollen nicht berichten, wie 16 junge Menschen durch den Angriff auf die Residenz des' Großfürsten Constantin das Signal zum Aufstande gaben, wollen nicht das Bild des unglaublichen Kampfes zeichnen, in welchem Polen bei Grochow, Stoczck, Dembe, Jganie, Raigrat, Ostrolenka (?) glorreiche Siege davon trug, wollen nicht sprechen von dem heroischen Widerstande unter den Mauern Warschaus gegen den nordischen Coloß. Unsere Aufgabe ist allein, die Rolle, welche die Juden gespielt haben, oder vielmehr ihre anscheinende Gleichgültigkeit zu erklären, welche von Vielen ihnen als Verbrechen angerechnet wurde. Die Juden sahen nach einigen Tagen glorreicher Unternehmungen durch ihren Scharfsinn, durch den Jnstinct, der sie charakterisirt, voraus, daß Polen als Spiel diplomatischer Jntriguen unterliegen würde, fallen als Opfer der Unfähigkeit der Anführer, des Egoismus der Generäle, der Ungeschicklichkeit der Opposition, welche zwar eine schwache, unfähige Macht entthronen konnte, welche aber nicht verstand, die Macht zu ergreifen; die, mit einem Worte nichts schaffen, nichts gründen konnte. — Man hat viel von Verrath gesprochen, aber mit Unrecht. Polen mit seinem unwissenden Adel, mit unfähigen Ministern, mit einem Klerus, der nicht seine Pflicht begriff, mit einer Bürgerschaft, die Andere handeln ließ, mußte unterliegen; und wir betrachten diesen Kampf Polens als ein sehr wichtiges historisches Factum, als eine Lehre, eine Erfahrung. Wer einst das Schicksal Polens lenken wird, er habe die Gewißheit, daß er diesem Lande unsägliches Elend bereitet, so er nicht seine Macht auf die Befreiung der Leibeigenen und auf die Emancipation der Bürgerschaft stützt. Hinsichtlich der Juden Herrschen verschiedene Meinungen: Einige sagen, sie waren Polen feindlich, Andere, sie wollten für seine Unabhängigkeitkämpfen. DieEinen weisen hin auf die Freiwilligencorps, welche an dem Kampfe Antheil nahmen, Andere auf die Spione, die für Geld die -Geheimnisse ihrer Mitbürger der feindlichen Armee mittheilten. Wir Heilen die Meinung Czynski's, der in seinen, in kit Archive« veröffent-