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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1846-08-01 · 8 (August 1846) · p. Seite 297

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1846)
Issue
8 (August 1846)
Date
1846-08-01
Page
Seite 297 (sequence 19)
Language
German
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297 Zur Geschichte der Jude» in Pole». was auf die Juden einen Schatten wirst, gern verallgemeinert, so sagte man, daß alle Juden Contrebande treiben, obschon gewiß ist, daß die größte Anzahl der polnischen Juden nie ihre Vaterstadt verlassen haben. Man kann diese Epoche mit zwei Worten charakteristren: Ueberladung an Abgaben und Mangel an Schutz. Wahrend der Regierung des Kaisers Nikolaus ist die jüdische Bevölkerung nicht nur mitjederArt erceptioneller Steuern belastet worden, sondern war sie auch mehr alsjedasOpferderBeraubung unmoralischer und habsüchtiger Beamten. Unter dem Vorwände, Contrebande aufzusuchen und sie gefunden zu haben, ruinirte General Rozniecky, Chef der geheimen Polizei, im Einverständnisse mit einem Spion von niedrigem Charakter, mehrere Familien. Unschuldige Frauen wurden Opfer seiner Ausschweifung, und es gab keine schlechte Behandlung, die er sich nicht erlaubte, um seine Leidenschaften zu sättigen,, um die Juden zu berauben Und von ihnen Geld zu erpressen, was er im Spiel verlor. Und dieses Alles ging vor unter den Augen des Großfürsten, des Erben der Krone und Dictators in Polen. Auch die Jesuiten benutzten die Gleichgültigkeit der Regierung. Es wurde an einigen Orten von Neuem das Gerücht verbreitet, daß Christenkinder ermordet worden seien. In einer Kirche zu Sochaczew entdeckte man ein wunderbares Gemälde, welches die Bestrafung der Juden vorstellte, weil sie dieHostien entweiht hatten. Schriften voll falscher Verleumdungen gegen dieJuden erschienen an verschiedenen Orten. Doch muß man dem Geiste des Jahrhunderts und dem Fortschritte der öffentlichen Meinung Gerechtigkeit widerfahren lassen; die Verfasser dieser schändlichen Libelle wagten nicht ihre Namen bekannt zu machen, und die öffentliche Meinung nahm sie, wenn nicht mit Verachtung, doch mit Gleichgültigkeit auf. —So schien sich Alles gegen die Juden zu verschwören, die Verfolgungen des russischen Kabinets, das die Kinder ihren Müttern entriß, die Steuern und das hieraus entstehende Elend, der Mißbrauch der Beamten und endlich der gehässige Geist der Jesuiten, welcher im Stillen die Gesellschaft bearbeitete. . Unter solchen Anzeichen gaben die drei Julitage die Losung zu einer neuen Aera; und den 29. November desselben Jahres trieb das triumphirende Warschau die Russen aus seiner Mitte. Die ganze Bevölkerung erhob sich beim Rufe der Freiheit. — Im ersten Augenblicke glaubten die Juden, daß der Tag der Befreiung auch für sie angebrochen sei; das höchste Wesen, meinten sie, habe ihre Gebete erhört. ES bedurfte nur einsichtiger Männer an der Spitze der neuen Regierung, um eine Mithülfe der ganzen jüdischen Bevölkerung, die die russische Herrschaft ver--° abscheute, zu erwerben. Geld, Soldaten, Credit, Alles war zur Dis- Frankkl, Zeltschrist IN. 23

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