Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 8 (August 1846)
- Date
- 1846-08-01
- Page
- Seite 293 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Geschichte der Juden in Polen. 293 nanzminister ausgegangene Verordnung zu prüfen, ob sie nicht den durch die Constitution verbürgten Rechten zuwider sei. Allein den andern Morgen wurden die sechs ersten Unterzeichner aus ihren Hausern gerissen, mit Ketten beladen fortgeführt und zur Strafe des KarrenführenS auf Befehl des Großfürsten Constantin verurtheilt. Die Tyrannei, die Willkür, begleitet mit drückenden Steuern und schändlicher Angeberei, machten also schnelle Fortschritte. Bankrotteure, Spione, heruntergekommene Verschwender bemächtigten sich der ersten Stellen im Staate. Die Juden boten ihnen eine gewisse Beute dar; man drohte diesen, ihre Gottesäcker abzutragen, ihre Synagogen einzureißen; man bediente sich des leichtesten Vorwandes, um diesen Drohungen einen Schein der Wahrheit zu geben. Die erschrockenen Juden stellten Fasten an, legten sich Stenern auf und erkauften für große, diesen habgierigen Beamten übergebene Summen die Ruhe der Asche ihrer Vorfahren und die Erlaubniß, Gott in dem Hanse ihrer Väter weiter anzubetcn. DaS allgemeine Mißvergnügen steigerte das Mißtrauen und die Verfolgungen. Die Spione gaben Unbesonnene und Unschuldige an, und der Angegebene verschwand während der Nacht, um im Kerker zu vermodern. Als die Juden in einen entfernten Winkel der Stadt verbannt wurden, wagte nicht eine Stimme dagegen Einspruch zu erheben. Der Ruin mehrerer tausend Einwohner wurde herbeigeführt, und es ist bemerkenöwerth, daß die durch die Politik Constantin's allgemein verbreitete Furcht so groß war, daß kein Jude es wagte, den auswärtigen -Glaubensgenossen Nachricht von diesem Beraubungsfystem zu geben. — Man erkennt nun aus allem diesem, daß während der Regierung Alerander's, zwei ganz entgegengesetzte Einflüsse auf Poleneinwirkten. Der eine, von Alexander ausgehend, war ganz liberal und väterlich, der andere, von Constantin herrühreNd, war grausam und wild; aber Alexander war weit entfernt von Polen, und beschäftigt mit Rußland konnte er seine wohlwollenden Absichten nur durch seltene Verordnungen kund.thun, während Constantin das Volk unaufhörlich quälte und sich um die Absichten seines Bruders nicht kümmerte. Im Jahre 1825 befahl der Kaiser, daß ein Specialcomite niedergesetzt werde, um die Lage der Juden in Polen zu untersuchen und zu verbessern. Dieser weise und edle Gedanke trug unglücklicher Weise nicht die Früchte, die man davon hoffte.. Der erste Schritt dieses Comite's sollte sein, die Vorurtheile und den Haß zu zerstören, die Einwohner einander'anzunähern und ein brüderliches Band um die Kinder desselben Vaterlandes zu schlingen. Das Comite schlug aber einen ganz