Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 8 (August 1846)
- Date
- 1846-08-01
- Page
- Seite 294 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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294 Zur Geschichte der Juden in Polen. entgegengesetzten Weg ein. Es nahm einen mit Vörurtheilen und Fanatismus geschwängerten Priester in seine Mitte auf, welcher ein Buch voll gehässiger Behauptungen veröffentlichte, das, anstatt die Geister zu versöhnen, sie nur gegen einander aufbrachte. Die 1830 erschienene Theorie des Judenthums vom Abbö Chiarini ist ein Denkmal der guten Absichten des Kaisers Alexander und deren schlechter Auffassung von Seiten eines bornirten Abbö, welcher weder seine Pflicht noch seine Mission begriff. > Indessen brachte doch dieses Comite einige heilsame Verbesserungen. Man schuf zu Warschau eine Rabbinerschule, welche aufgeklärte und tolerante Juden heranbilden sollte, daß sie einen heilsamen Einfluß auf ihre Glaubensgenossen hervorbringen. Mehrere verdienstvolle Juden sind aus dieser Schule hervorgegangen. — Die bei den Juden gewöhnlichen Vorstände, Kahal genannt, begingen Mißbräuche, und man beklagte sich allgemein über ihre Bedrückungen und Ungerechtigkeiten. Der Kaiser Alexander setzte sie ab und ersetzte sie durch Synagogenvorsteher. — Dasselbe Comite ermuthigte die Juden, sich dem Ackerbau zu widmen; doch hatten seine Absichten hier keinen großen Erfolg. Denn es ist leicht zu begreifen, daß man nicht auf einmal die Gewohnheiten einer dem Handel und der Industrie obliegenden Bevölkerung ändern kann. Der Ackerbau ist eine Kunst, die man kennen und erlernen muß; nur indem man die Erziehung ändert, indem man einen wohlthätigen Einfluß auf die Kindheit und die Jugend ausübt, indem man Ackerbauschulen schafft^ wird man die Gewohnheiten und die Beschäftigungen der Judenändern. Unter den Auspicien des Comite's wurde auch eine philanthropische Anstalt geschaffen, die noch besteht. Die Juden zu Warschau suchten durch Geldbeiträge ein Armen- und Krankenhaus cherzustellen. Es wurde zur selben Zeit beschlossen, daß jeder aus der Provinz oder aus der Fremde kommende Jude, ohne Unterschied des Geschlechts und des Alters, täglich 20 polnische Groschen als Beitrag zur Gründung dieses Hospitals zahlen solle. Allein hatte auch dieser Beitrag einen edlen Zweck, so bemächtigte sich seiner die Regierung, als kaum das Hospital hergestellt war, und machte daraus eine Steuer, die noch heute dauert. Wir kommen jetzt zur Regierung des Kaisers Nikolaus. Seine Thronbesteigung war bezeichnet durch einen blutigen Kampf in den Straßen von Petersburg. Wir wollen hier einige Worte darüber sagen, und wird uns dieses den Schlüssel zur Politik dieses Herrschers geben. Der Krieg, den Rußland gegen Frankreich führte, endigte mit einem