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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1846-08-01 · 8 (August 1846) · p. Seite 292

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1846)
Issue
8 (August 1846)
Date
1846-08-01
Page
Seite 292 (sequence 14)
Language
German
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292 Zur Geschichte der Juden in Polen. Die Constitution verbürgte den Juden Gleichheit vor dem Gesetze; allein Konstantin gab das Beispiel der Willkür, dem bald zwei andere hochgestellte Beamte folgen, der Statthalter Zaionczek und der Finanzminister Lubecki. Der erstere trieb im Jahre 1823 die Juden aus den Straßen, die sie bewohnten, in einen unbewohnten Winkel der Stadt; der andere führte das Monopol der Fabrikation und des Verkaufes von Bier und Branntwein ein. Da dieses Monopol sich nur auf zwei Städte erstreckte, so fiel der Preis des Branntweins in den Dörfern und stieg über die Maßen in Warschau und andern wolkreichett Städten. Die .Contrebande stellte großen Gewinn in Aussicht. Unbemittelte Juden, die jedes andern Gewerbzweiges beraubt waren, ergaben sich dieser verbotenen Spekulation. Ein immerwährender Kampf erhob sich nun zwi-. schen den Zollbeamten und den Schmugglern, und es war nichts Seltenes, daß man von dem Tode eines der Letztern hörte, der in der Vertheidigung seiner Waare das Heben, verlor. Man denke aber nicht, daß die Schmuggelei von reichen Speculanten getrieben wurde, es waren Arme, die, um einige Gulden zu verdienen, Freiheit und Leben aufs Spiel setzten*). Wir müssen hier anführen, daß dieses willkürliche Monopol nicht ohne Protestation blieb. Einige vornehme Warschauer Bürger richteten ein in den ehrfurchtsvollsten Ausdrücken abgefaßtes Gesuch an den Kaiser Alerander mit der Bitte, die von dem Fi- *) Das obige Bild hat sich in jüngster Zeit erneuert und hatte den harten Ukas, der die Juden von der Grenze weg in das Innere verbannen will, zur Folge. Die Schmuggelei ist ein Staatsverbrechen, dessen Vertheivigung wohl Niemand übernehmen wird, wenn sie auch in den Augen des handeltreibenden Publikums nicht so straffällig erscheint. Allein wenn man die Schilderung der grenzenlosen Armuth der polnischen und russischen Juden vernimmt, so sind sie wohl zu entschuldigen, die Regierung aber ist um so mehr anzuklagen, die, anstatt den ihres Gewerbzweiges beraubten Juden andere Hülfsquellen zu eröffnen, sie stets mehr drangt, aus den Dörfern in die Städte treibt, ihre Abgaben vermehrt, und der grenzenlosesten Bedrückung überliefert. Freilich wird ihnen in Aussicht gestellt, in Beffarabien oder Sibirien Colonien anzulegen, aber es wurde schon 1. Jahrg. dieser Zeitschr. Seite 79 erzählt, welches Bewandniß es mit diesen Auswanderungen habe und welches Schicksal die Auswanderer erwarte. Ein Seitenstück hierzu bildet folgende Mittheilung: Bor einigen Jahren wurde den.Juden freigegeben, sich im fernen Sibirien niederzulaffen, und wurden ihnen auf dieser weiten Reise einige Kopeken von der Regierung täglich bewilligt. Biele arme Juden, erfreuet, wenn auch im fernen unbewohnten Norden, eine Abhülfe ihres Drangsals zu finden, verkauften ihre letzte Habe und machten sich auf den Weg. Doch schon über 100 Meilen von der früher» Heimath entfernt, bekommen sie den Befehl, umzukehren. Und so kommen sie nun als gänzliche Bettler zurück, und wem fallen sie nun.zur Last? Ihren schon an sich erschöpften nahrungslosen Gemeinden.

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