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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1846-08-01 · 8 (August 1846) · p. Seite 291

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1846)
Issue
8 (August 1846)
Date
1846-08-01
Page
Seite 291 (sequence 13)
Language
German
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Zur Geschichte der Inden in Polen. 291 Kar Geschichte -er Juden in Polen. (Fortsetzung.) Wir kommen jetzt zu der Stellung der Juden in dem durch den Wiener Congreß unter Kaiser Alexander geschaffenen Königreich Polen. Als die Murten die Dynastie der Bourbonen wieder in Frankreich hergestellt hatten, fiel dasHerzogthum Warschau mit Vorbehalt seiner Constitution an Rußland, so daß die polnische Nationalität, die Gesetze, die Freiheit der Presse, die Verantwortlichkeit der'Minister und der active Dienst einer Nationalarmee garantirt-wurden. Die Politik des Kaisers Alexander war, betrachtet aus dem Gesichtspunkte des russischen Interesses, bewundernswerth. Der Kaiser strebte die Amakgamirung Polens und Rußlands an; er wollte Petersburg und Warschau einander anrücken, versöhnen die Boyardesi mit dem polnischen Adel, die Schismatiker mit den römischen Katholiken. Daher machte er, Despot zu Moskau, den constitutionellen und freisinnigen König inPolen; allein zur selben Zeit, gleichsam als fürchte er die Folgen seiner liberalen Institutionen, gab er Polen der Willkür seines Bruders, des Großfürsten Constantin preis. Dieser wilde, eigensinnige, launische Prinz, der zum Feldmarschall der polnischen Armee ernannt wurde, übte eine wahrhafte Diktatur über dieses unglückliche Volk. Mißtrauisch und argwöhnisch organisirte er eine Spionerie in weitem Umfange. Er bediente sich unmoralischer Menschen, um Verschwörungen zu entdecken, die er allenthalben erblickte, und saete Unruhe und Verzweiflung inden Familien aus. Wer denuncirt war, wurde eingesperrt, einer barbarischen Strafe preisgegeben, und war für seine Familie und für sein Vaterland verloren. Die Juden waren zwar wegen ihres friedliebenden Charakters diesen Verfolgungen nicht ausgesetzt, allein sie waren nichts desto weniger Opfer gehässiger Machinationen anderer Art. Das Prohibitiv-System, welches Rußland in Beziehung zu anderen Ländern annahm, richtete einen großen Theil jüdischer Kaufleute zu Grunde; einige suchten ihr Heil in der Schmuggelei, aber die härtesten Strafen bedroheten den Kaufmann, der im Besitze einer verbotenen Waare war; und da die Denunciation eines einzigen Angebers hinreichte, um einen redlichen Bürger zu verdammen, so wurde zu dieser Zeit ein weites Raubsystem eingeführt, welches zum Ziele hatte, die reicheren Juden zu Gunsten der Denuncianten auszuplündern, welche ihre Beute mit dem General Rozniecki, Chef der geheimen Polizei, theilte. Und so wurden viele Unschuldige denuncirt, eingesperrt, gemartert, blos in der Absicht, das Opfer zu berauben!

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