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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1846-08-01 · 8 (August 1846) · p. Seite 290

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1846)
Issue
8 (August 1846)
Date
1846-08-01
Page
Seite 290 (sequence 12)
Language
German
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290 Zur Sagen- und Legendenkunde. gewinnt die lebendige Phantasie zu ergänzender Neubildung, durch je mehr Prismen.der erste Strahl des Gedankens sich gebrochen, desto farbiger wird er erscheinen. Hier hat vorzüglich das Ungeheure und Aben-, theuerliche seinen Ursprung. " Das Hauptgeschäft der Kritik ist es nun, den Weg rückwärts zu verfolgen und zu scheiden. Dieser Weg ist aber auch ein schwieriger, und bei der literarischen Beschaffenheit.der jüdischen Quellen oft unwegsam. Die Kritik dieser reinen, d. h. zuletzt auf Wahrnehmung beruhenden Sagen kann dann am besten Nachweisen, wie die Sagenbildung sich zu ihrem Stoffe verhalte, wenn letzterer von anderswoher historisch feststeht, wie z. B. in der ältern jüdischen Alerandersage *), in den Sagen vom Chanukalämpchen, von Maimonides, R. Löw u. dgl. Hier dürfte es schwer sein, den Begriff einer jüdischen Sage aufzustellen, so daß ihre Merkmale von allen jüdischen Sagenkreisen der verschiedenen Orte und Zeiten gelten und doch bei andern Nationen und Literaturen, also bei jeder Sage, als einer solchen, nicht zu finden sein sollten. Vielmehr wird ihr Charakter je nach der Mitwirkung von Bildung, Schicksal, Stellung zu andern Nationen u. s. w. sich verschiedentlich gestalten. Höchstens dürfte etwa die vorherrschende Beziehung auf das Religiöse und die orientalische Formfülle, als den Erscheinungen des jüdischen Geistes überhaupt eigenthümlich, auch hier zur Anwendung kommen. ' Es gibt aber eine eigenthümliche Art jüdischer Sage, welche freilich auch eine weitere Aus- und Nachbildung im Christenthum und Islam (und nicht ohne alle Rückwirkung) gefunden. Es ist dieß derjenige Sagenkreis,der durch seine Stellung zur Bibel wieder besonderen Kategorien unterliegt, in diesem Sinne als biblische Legende bezeichnet wird, den wir aber zur Vermeidung aller Zweideutigkeit °°) kurzweg Legende nennen, insofern diese den selbstständigen reinen Sagen gegenüber noch am ehesten dem üblichen Begriff von Legende entsprechen. Worüber im IH. Artikel, der hoffentlich nach einem kürzernIntervalle folgen soll. Berlin im Mai 1846. M. Steinschneider. 1) S. Räpoport in Geigers Zeitschrift II., 53 ff. zur vergleichenden Sagenkunde, f. noch über die Bürgschaft Magazin s. d. Literatur des Auslandes 1845, S. 208; über die Blutprobe Sabbatbl. 1846, Nr. 16. 2) „Biblische Legende" könnte auch auf die in der Bibel selbst enthaltenen Erzählungen u. s. w. ausgedehnt werden.

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