Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 8 (August 1846)
- Date
- 1846-08-01
- Page
- Seite 287 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Zup GggWnnh Legtzildenkundss, 28? dann, bei .bet* Darstellring, die Phantasie, welche (dem Wese» »ach, wie beim MythuS) den Gedanken, das Allgemeine, bewußtlos in einzelne sinnliche Vorstellungen verwandelt, das Allgemeine, Schwankende durch allerlei nähere Bezeichnung verkörpert oder versinnlicht. Wie dieß ohne Selbstbewußtseifl über diese Thätigkeit und ihr Resultat (im Gegensatz zur Dichtung) geschehen könne, erfahre» wir am besten an Kindern und Menschen auf dieser Stufe der Sinnlichkeit, die ebenfalls das Allgemeine und Abstrakte als Einzelnes und Bestimmtes wiedergeben, ohne sich ihrer Schöpfung bewußt zu werden. — Wir haben also eine doppelte Thätigkeit des ersten Sagenherichtcrs'), Vergeistigung der ursprünglichen Wahrnehmung, und dann Versinnlichung des erfaßten Gedankens, wozu der wahrgenommene Stoff allein nicht ausreicht, also Cyncretisirung, d. h. nähere Angabe von Merkmalen, Bestimmung von Ort, Zeit, Namen, Zahlen und dgl. Diese selber werden aber weniger neugeschaffen, als aus dem sonstigen Kreis von Wahrnehmungen (unmittelbarer Erfahrung oder Bericht u. s. w.), also aus wirklicher Gegenwart-Und Vergangenheit genommen. So wie demnach die geistige Auffassung des wirklich Gegebenen uns über das Innere der Sagenbildner Aufschluß giebt*), so können wir aus denZusätzen und Ausschmückungen der Darstellung wichtige Aufschlüsse über Geschichte, Geographie, Antiquitäten, Sprachbildung u. s.werwarten. So lange man z. B. im Monde ein höheres Wesen erblickte, sah man auch in seinen Flecken die Form eines Gesichts. Wenn die Muhammedaner glaubten, daß Engel für sie kämpfen und streiten, so mußten auch diese Engel auf feurigen Rossen reitend gesehen werden, und der Himmel braucht einen größeren Stall als Salomon der Weise!1 2 3 4) An diesen himmlischen Pferden kann man aber auch die echtarabischen studiren. So können wir aus den Reden und Sitten der biblischen Personen in der Haggada Leben und Sitten der Erzähler erkennen.. Besondere Beachtung verdienen auch die Jncidenzpunkte derHaggada mit der Ha la cha- Hier ist nun der Ort, den Begriffder Wundersage gänzlich aufzulösen. Wir verstehen unter Wunder zuerst das Seltsame, Ungewöhnliches, dann aber das aus den jeweilig bekannten Naturgesetzen Unerklärliche, in welchem Sinne es noch immer Wunder gibt, und wohl 1) Wer an diesem Worte Anstoß nimmt, und die Sage dem Einfluß eines bestimmten SubjectS ganz und gar entzogen wissen will, der mag uns die Sagenbildung psychologisch erklären. Ich gestehe, daß ich auf diesem Wege immer mehr Phrasen als Begriffe gefunden. 2) S. Sachs rel. Poesie S. 154. 3) S. Magazin f. d. Lit. des Auslandes 1845, S- 267, 4) Dieß laßt sich in mehreren Sprachen etymologisch Nachweisen.