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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1846-08-01 · 8 (August 1846) · p. Seite 286

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1846)
Issue
8 (August 1846)
Date
1846-08-01
Page
Seite 286 (sequence 8)
Language
German
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286 Z«r Sagen- und Legendenkunde. Stoffmit den biblischen Erzählungen in keine Berührung kommt, und die früher*) als „absolut neuer Erzählungsstoff" bezeichnet wurden*). - Wir haben aber im Wesen der Sage eine ft o fferg a n z end e Thätigkeit gefunden, d. h. der Sagenberichter ist nicht blos Auffasser, sondern auch Darsteller. Auf diese beiden Tätigkeiten des Geistes: Auffassen und Darstellen, führt sich alles Eigenthum desselben bei der Sagenbildung zurück, und nachdem, wir die Auffassung als den Pragmatismus der Sage vorangestellt, halten wir uns jetzt an die Darstellung, inwiefern sie eine bereichernde Bildung des in der Wirklichkeit Gegebenen ist, also äußere Daten und Facten schafft, und zwar zuerst im Allgemeinen. Waren diese neuen Daten und Facten selbstständige Darstellung eines reinen Gedankens, so würden wir sie, nach unserer vorangeschickten Feststellung der Begriffe, als Mythe bezeichnen4). Es gehört aber nothwendig zum Begriff der Sage, daß das ihr Eigcnthümliche nur als Ausschmückung, Ausmalung, Erweiterung eines in der Wahrnehmung Gegebenen austrete1 2 3). So ist z. B. das Räthsel der Sphinr ein Mythus, die Räthsel der Königin von Saba (bei Arabern und im 2. Targum) sind Sagenbildung. Gehen wir demnach auf die letzte Sagenquelle zurück, so ist dieß der erste Bericht über eine Wahrnehmung von Räumlichem und Zeitlichem (Sein oder Geschehen, Vorhandensein oder Begebenheit, also Beschreibung oder Erzählung; denn auch an das Ruhende knüpft die Sage ihre belebende Thätigkeit); es frägt sich also: Wie kommt der Wahrnehmende dazu, in seinen BerichtDinge zu verweben, die er nicht wahrgenommen, und woher nimmt er die Elemente dazu? — Es sind hier zwei Kräfte des menschlichen Geistes thätig; zuerst, bei der Wahrnehmung, der Verstand, welcher in der einzelnen Wahrnehmung etwas Allgemeines, einen Gedanken, eine Idee findet, was wir oben den Pragmatismus nannten, der den Stoff vergeistigt; 1) S. Zisch, U. S. 384. *) Die freiere Ansicht, die die Erzählung der Genesis der Sage anheimgibt, gibt zwar nicht den mosaischen, aber wohl den göttlichen Ursprung des Pentateuchs auf. Auch bleibt diese freiere Ansicht' nicht etwa bei der Genesis allein stehen, sondern weiß sie auch einen beträchtlichen Theil des Erodus und Numer. der Sage zu vindiciren. — Für die widersprechenden Angaben der Bibel, die größtentheils auf Zahlen- und genealogische Unterschiede zurückzuführen sind, ist ein ganz anderer Ursprung als die Sage aufzusuchen. F. 2) Ihnen entspräche im Bereiche der Dichtung insbesondere die Fabel und Parabel. 3) Neben dem oben geschilderten Uebergang von Mythe und Sage gibt es also noch ein gegenseitiges bloßes Entlehnen.

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