Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 8 (August 1846)
- Date
- 1846-08-01
- Page
- Seite 282 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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282 Zur Sagen- und Legendenknnde. einzelner Theile folgen, bei welcher wir nichts, als die dort erörterten Grundbegriffe und ihre Künstausdrücke voraussetzen, oder' mindestens dorthin verweisen zu dürfen glauben. .. Wollten wir nun unfern Vergleich folgerecht durchführen, so müßten wir sofort, wiedort räumliche, so hier zeitliche Theile des gesammten Sagen- und Legenden-Stoffes als gesonderte Literaturkreise betrachten. Allein jener Vergleich konnte auch nur in den äußerlichen Beziehungen zum Betrachter gelten, der innern Natur nach erfordert ein Geistesproduct, wie namentlich das unsere^ noch eine andere Vorbetrachtung. Es sind nämlich von der literarischen Klassification noch die wesen tlichen Momente des Begriffs der Sage und Legende überhaupt mehr aus einander zu legen, wie sie mit verschiedenen anderen verschmolzen in der betreffenden Literatur zur Erscheinung kommen. Der einzig geeignete Standpunkt für die richtige Auffassung und Erkenntniß solcher Geistesschöpfungen ist der innerhalb der Werkstätte des Geistes selbst, der kritische und psychologische, zugleich der der freien Forschung, die nicht von Resultaten ausgeht, sondern zu ihnen zu gelangen unbefangen und redlich begehrt. Zuvörderst.müssen wir, um den eigentlicheil Gegenstand unserer Betrachtung festzuhalten, allesFremdartige ausscheiden,das Verwandte als solches bezeichnen. Dahin gehört nun erstens die Mythe-). Die Mythe ist, wie.die Sage Und Legende, ein Erzählen im weitesten Sinne. Beide stellen eine angebliche Wirklichkeit hin, nur mit verschiedenem Accent, aus verschiedenen Quellen schöpfend. In der Mythe schaffet der menschliche Geist in seiner Allgemeinheit, mit der ihm einmal innewohnenden Schöpferkraft aus sich selbst einen äußern Ausdruck für die Wahrheiten der Erfahrung, der Ahnung oder sogenannten „unvollkommenen Offenbarung", für die Innerlichkeit des'Gefühls, für die Voraussetzungen des Wunsches und der Begierde, indem die Geschichte des Innern zu einer äußern, die Wahrheit zur Wirklichkeit, das Gedachte, Gefühlte und Angestrebte im Zeitlichen und Räumlichen ausgeprägt, gewissermaßen verkörpert wird, wie wenn z. B. der Widerspruch des Wirkens der Zeit als der seine Kinder verzehrende Saturn, vder der höhere Ursprung des Menschen in der Prometheussage, die Sehnsucht des Selbstbewußtseins nach kindlicher Unmittelbarkeit durch goldene Ausschmückung der Lebens- und Weltalter und dergl. zur Vorstellung gelangt. Das, was die Mythe geschaffen, kann sogar äußerlich wie wahrhafte Geschichte ausfehen; dem Wesen nach bilden Mythe und 2) Vgl. die Abhandlung über Mythe und Legende in Tuches Commentar zur Genesis, Einleitung. .