Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 7 (Juli 1846)
- Date
- 1846-07-01
- Page
- Seite 272 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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272 Zur Wissenschaft des ZudenthumS. men Eindruck und berechtigt zu freudigen Hoffnungen. Das Buch beweist, daß der Verf. bei seiner vasten Gelehrsamkeit in alten Zweigen der talmudischen, höchst verwickelten Literatur-,' doch den systematischen Ueberblick über die einzelnen Theile wohl im Auge zu behalten versteht, es beweist, daß sein Blick iy dem ungeheuren Wust von Einzelnheiten, in dem dadalischen Gewirre der schwindelhohen r^pldn und der schillernden „Pschetel." nicht derart umnebelt ist, die Leitfaden und die Hauptrichtungen der verschlungenen Pfade zu verfehlen. Es ist kein kleines Verdienst des Verf., daß er nicht in die sophististrende, den Wahrheitssinn ertödtende Manier seiner Landsleute verfallen ist, denen es bekanntlich bei ihrem überfleißigen Talmudstudium nicht um Wahrheit zu thun ist, sondern lediglich um das müßige Spiel des Witzes, um schillernde Combinationen mit halbwahren Prämissen. Von dieser Manier, oder vielmehr Manie, die schon im Talmud als Eigentümlichkeit der Schule R. Merrs, nach welcher Methode Alles erlaubt und Alles verboten sein kann — gegeißelt wird — — "jpb — hat sich der Verf. zwar nicht ganz frei gemacht, es pasfirt ihm wohl noch hin und wieder, daß er die Resultate solcher Spielereien mit als Thatsachen aufnimmt; allein, wenn man bedenkt, wie schwer es wird, in den slavischen Ländern, in dieser von falschen „nmn" geschwängerten Athmosphare, 'diesem Einfluß sich ganz zu entziehen, so wird man diesem Werke,, das nach Wahrheit und systematischer Ordnung ringt, die Anerkennung nicht versagen, und es wäre nur zu wünschen, daß seine Landsleute, diesem schönen Beispiele folgend, ihre umfassende Talmudkenntniß zu tieferer Erforschung desselben verwenden möchten. Referent wird den Inhalt des Werkchens compendiarisch darstellen und hier und da eine Berichtigung oder Ergänzung anbringen. — Ueber den Titel des Buches wollen wir mit dem Verf. nicht weiter rechten, wiewohl man seit R. Samuel Ha Nagid gewöhnt ist, von einem t»xe formale Behandlung des Talmuds, eine Art talmudischer Terminologie, zu erwarten, in diesem Werkchen hingegen wird der substantielle Charakter des Talmuds beleuchtet. — Wir gehen sofort an die Erposition. Die ersten 5 Abschnitte haben die halachische Tradition, die im Talmud niedergelegten mündlichen Gesetze zum Thema. Verf. steht auf dem Herkömmlichen Standpunkte, daß die sä'ssiön bis in die äußersten Conftquenzen und Verzweigungen unmittelbar von Sinai stamme, und er macht für die Notwendigkeit dieser mündlichen Zusätze die alten Gründe geltend, daß ohne diese traditionelle Nachhülfe viele Wiedersprüche in der Schrift unaufgelöst, die praktische Uebung der Gesetze unbestimmt bleiben "würde. Hinterher aber fiehet der Verf. 'die Unzulänglichkeit dieser veralteten Beweisführung-ein, und verschanzt sich hinter dem Glauben, diesem unjüdischen Sprößling aus fremden Kreisen herübergenommen, der sich im Judenthume bis zur Unkenntlichkeit acclimatisirt hat *). — Nach dieser Einleitung clasfificirt der Verf. die traditionellen Elemente nach dem Eintheilungsprincip ihrer Herstammung in 4 oder 6 Rubriken. Die erste Rubrik umfaßt die traditionelle Beleuchtung der in der Schrift dunkel gelassenen Gesetze, also gleichsam eine tradizttonelle Realeregese zum Terte: daß z. B. unter -rtfi verstanden wird L1-1N8, daß die Begriffe b^nund tft einen bestimmten Umfang haben, also fich nur auf gewisse Theile beschränken und nicht alle Fettlagen *) Wir glauben der Herr Recens. ist hier und oben etwas zu absprechend. F.