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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1846-07-01 · 7 (Juli 1846) · p. Seite 268

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1846)
Issue
7 (Juli 1846)
Date
1846-07-01
Page
Seite 268 (sequence 30)
Language
German
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268 Zur Wissenschaft des Judenthums. der „trotz dem Reichthum im Material, an Geist leeren" Bibliotheca hebraea sank und in Folge der Einführung der philosophischen Kritik auf dem Felde der Bibel und des erneuerten Anbaues der arabischen Sprache nach und nach ganz in Verfall kam, so daß vom l9. Jahrh., außer De R o ssi in Italien und Hartmann in Deutschland, der jedoch eifld durchaus einseitige Richtung verfolgte, wenig zu sagen bleibe. Unter den hier vom Verfasser Genannten, welche mit hebräischer Literatur hauptsächlich sich beschäftigten, vermißt man nur Wenige, denen wohl die Ehre des Raums noch hatte gegönnt werden mögen, wie z.B. Fabricius, und was die neuere Zeit betrifft, besonders Delitzsch, dessen Omittirung wir uns kaum erklären können. Wülfer wird (S. 13) als Schüler des Apostaten de Bonns bezeichnet; um Mißverständnissen vorzubeügen, würden, wir die Beisetzung pon des Letzteren Vornahmen „Christian" gewünscht haben, damit Niemand ihn mit dem großen Lericographen David de Pomis verwechsele, der, ohnerachtet seines intimen Umgangs mit Pabsten und Cardinalen, dem Judenthume treu geblieben war. Mit Recht beklagt der Verfasser nun die Geringschätzung, womit nicht nur neuere christliche Gelehrte, sondern auch die Juden selbst ihre Literatur „die Grundlage ihres geschichtlichen Seins" behandelten.— Wenn Hr. Dr. Zunz hierbei sagt, daß Juden selber „ihr Alterthum für die Emancipation feilboten", so soll dieß wohl so viel heißen, daß hier und da eine solche Oberflächlichkeit der Gesinnung obgewaltet haben mag, welche um den Preis der ganzen, halben oder noch so kleinen Dosis von Emancipation gern die ganze jüdische Literatur dem Scheiterhaufen übergeben hatte. Gab und gibt es ja noch heute sonst ganz gutmüthige Leute, welche sich schämen, ein hebräisches Buch im Hause zu haben. Selbst manche sogenannte „rechtgläubige Juden", welche praktisch das Ceremonialgesetz gewissenhaft beobachten, machen sich kein Gewissen mehr daraus die jüdische Literatur verkümmern zu lassen, so daß die vom ^2) zu Jore dea cap. 249. §. 3. angeführte Bestimmung, welche die Verwendung des sogenannten —IM» Geldes auf den Ankauf hebräischer Werke empfiehlt, fast ganz außer Anwendung gekommen ist. — Eine solche Nichtbeachtung der jüd. Litera-, tur kann nun dazu beitragen, das Judenthum in Vergessenheit zu bringen und ist insofern ein indirectes Feilbieten desselben. — Inzwischen hat ein sonst geistreicher Kritiker dem Hrn. Verf. diesen Passus in anderer Hinsicht verargt und gemeint, daß da, wo das Streben nach Emancipation erwacht, auch das Streben nach Reform lebendig geworden sei, mithin dieß schon an sich eine Anhänglichkeit an das Judenthum, das man eben vollständig regenerirt wissen wolle, beweise und daher von einem „Feilbieten des Alterthums" nicht mehr die Rede sein könne. Allein erstlich ist der Wunsch nach Emancipation mit dem nach Reform nicht immer identisch hervorgetreten, und laßt sich, wenn nur echte innere Redlichkeit und wahrer Glaube durchgängig herrscht, volle bürgerliche Gleichstellung auch ohne Reform denken, wie z. B. in England; zweitens aber kommt es darauf an, was man unter „Reform" und „Regenerirung" verstehet. Unterschreiben wir auch nicht die Meinung, daß die Reform „ein Zerstören und ein Zertreten" sei, so kann und wird sie doch, wenn nicht Kenntniß und Liebe zur Wissenschaft des Judenthums sie leitet und beseelt, leicht und selbst den Führern unvermerkt in ein Gefilde hinüber irren, wo sie des jüdischen Alterthums und seiner Wissenschaft gar nicht mehr bedarf und es daher eo ipso feilbietet.

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