Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 7 (Juli 1846)
- Date
- 1846-07-01
- Page
- Seite 267 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Wissenschaft des.Judenthums. 267 tend machen konnte. Die christlichen Geistlichen" schrieben bloß Latein, die Juden Hebräisch, so verstand Einer den Andern nicht, an Annäherung war da nicht zu denken. Hierzu die ganze Verfassung des Mittelalters. „Rom, die Spitze der Hierarchie, bildete, den Schwerpunkt des christlichen Europa; das geistliche Reich war der eigentliche Staat. Der wirkliche Staat, an dessen einheitlichem Dasein der Papst kein Interesse hatte, war eine Provinz des geistlichen Staates, und selber nur eine Anzahl von Besonderheiten — Adel, Reichsstädte, Facultäten, Zünfte, Orden —, die Alle sich gegen Außen, gegen einander und am leichtesten gegen die Juden ummauerten" (S. 7). — So kam es dahin, daß die Juden mit ihrem Schriftthum sich den Blicken immer mehr entzogen, und begeisterte Kreuzfahrer schnitten sich Schuhsohlen aus hebräischen Ge setz rollen*). So schildert der geniale Verfasser die Unbilden des von christlichen und mitunter auch von jüdischen Fanatikern wieder herbeigewünschten Mittelalters! Allein die Pflege der Wissenschaften kam wieder auf, Universitäten' entstanden, die neueren romanischen Sprachen gewannen an Kraft; so ging diese neue Bildung zum Theil auch auf Juden über und gegenseitige Berührungspunkte zwischen Christen und Juden fanden statt, zuerst hauptsächlich nur in Spanien, dann in Italien, nicht aber in dem „von Zünften regierten Deutschland, wo Judenvertreibungen im 15. Jahrhunderte zu den Erholungen der Reichsstädter gehörten." (Wir möchten hinzufügen, auch noch im 19. Jahrh., wenn man an die Reactionen in manchen Reichsstädten nach Napoleons Sturz denkt!) — Alte Handschriften wurden nun gesammelt, Bibliotheken errichtet; während aber in den übrigen klassischen Sprachen alle Zweige des Wissens ausgesucht und gefördert wurden , ward die hebr. Sprache und Literatur nur „um ihres Zusammenhangs mit der christlichen Kirche-Willen", also wegen theologischer Zwecke gehandhabt. — Der Herr Verfasser schreibt dieser einseitigen Richtung, welche das Studium der hebräischen Literatur seit dem Wiedererwachen der Wissenschaften in Europa genommen, nicht nur die ferneren'ungünstigen Schicksale dieser Literatur, sondern auch die fortwährende Niederhaltung und Bedrückung der Juden selbst bis auf den heutigen Tag zu; die Anerkennung der Menschenrechte für die Juden werde nicht eher erfolgen, bis man den Erzeugnissen des jüdischen Geistes ihr Recht angedeihen lassen und sie nicht als Mittel zu anderen Zwecken, sondern um ihrer selbst willen erkennen und schätzen werde. Es werden nun die christlichen Gelehrten größtentheils namentlich aufgezahlt, welche von Reuchlin (gest. 1321) bis auf die neueste Zeit die hebräische Literatur anbaueten und pflegten. Die erste Periode gehet bis aus Johann Burtorf (gest. 1629), mit welchem eine vermehrte Kenntniß des Hebräischen und der damit verwandten aramaischen und rabbinischen Idiome eintrat, die aber wieder seit dem Tode Wolf's (1739), des berühmten Verfassers *) Man vergleiche in dem nVit zum ersten Sabbat nach Pesach die Stelle Nw^2 min ratt) Tiö; der Verfasser dieses Gebetstücks scheint nach dem Akrostichon am Schluffe dlbU) "»n-ü geheißen zu haben, dieser Name findet sich aber weder in dem (von H. I. Micha e l emendirten) Verzeichnisse Heidenheims, noch irgendwo bei Conforte, Asulai, Zunz u. s. w. — Es müßte denn von dem Worte trbo nur der erste Buchstabe zum Akrostichon gehören, wo alsdann der bekannte Baal Tosphot, der Isaak ben Samuel hieß, Verfasser dieses Stücks sein könnte.