Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 7 (Juli 1846)
- Date
- 1846-07-01
- Page
- Seite 265 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Wissenschaft des JudenLhums. 265 Lehrer dem gläubigen Volke.«in einer seiner damaligen Bildungsstufe ziemlich entsprechenden Einkleidung zuführten, nur wenigen Raurn gönnte. ES ist natürlichdaß, da der Zweck der ganzen schriftstellerischen Thatigkeit jener Zeit nur dahin ging, die Wiffensdürstigen der der väterlichen Religion mit felsenfester Ueberzeugung anhängenden eignen Glaubensgemeinde an dem Borne der heiligen Lehre schöpfen zu lassen, eine, wenn auch dem subjectiven Standpunkte des Schriftstellers entsprungene, doch unbefangene, von Nebenzwecken ungetrübte Darstellung darin herrschte und der Gedanke, fremdartige Glaubensansichten abzuwehren oder durch größere Veranschaulichung der Lichtseiten Zweifeln oder gar Abfall vorzubeugen, ziemlich fern lag. — Doch Mendelssohn und sein Zeitalter erschien. Allgemeine Bildung und Wissenschaften machten sich auch unter den Juden wieder geltend. Eine Wechselwirkung zwischen jüdischen und nichtjüdischen Schriftstellern trat wieder ein, wie sie zwar in manchen Perioden der jüdischen Geschichte schon zum Vorschein gekommen, aber in den letzten Jahrhunderten ziemlich verschwunden war. Da nahm auch die jüdische Literatur einen'veränderten Charakter an. Die einfache Belehrung der vorhergegangenen Periode, der es nur um objective Darstellung in der einmal angenommenen Auffassung zp thun war, unbekümmert, welchen Reflex der Gegenstand außerhalb des Kreises der Leser, die man vor Augen hatte, werfen würde, machte einer mehr polemischen oder apologetischen Bearbeitung Platz. Schon H. Wessely's Schriften athmen großentheils diese Tendenz und Wenige haben seitdem sich ganz davon frei halten können. Haben nun die Schriften der eben angedeuteten Natur in mannichfacher Weise heilsam gewirkt, ja waren sie gewissermaßen Produkte innerer und äußerer Nothwendigkeit, erstlich als Ausdruck des in der jüdischen Literatur wieder erwachten neuen Lebens, welches mit dem Gegebenen sich nicht begnügt, sondern ein Höheres und Erhabeneres darin sucht und findet, und zweitens weil es Bedürfniß wurde, die bei dem veränderten Begriffskreise nun nicht mehr so schlechthin erkannten und gewürdigten älteren Lehren in einem glänzenderen Gewände darzustellen, so hat auch diese^ Periode ihren Culminationspunkt schon erreicht. Polemik und Apologetik haben den Zweck, den sie haben sollten, größtentheils erfüllt. Das Judenthum kann mit Selbstbewußtsein-auf den Baum der Erkenntniß Hinschauen; es stehet jetzt Hand in Hand mit der Wissenschaft weit gekräftigter und unantastbarer da als in jenen Tagen, wo es sich mit dem leuchtenden Schilde der Pallas nur dann bedeckte, wenn es galt, das Heer der Feinde abzuwehren oder das eigne zu ermuthigen. Das Judenthum braucht jetzt selbst die offne Darlegung seiner Schatten'eiten nicht mehr zu scheuen; darum ist es an der Zeit, den in der Wissenschaft-des Judenthnms so reich aufgeschichteten Stoff wieder ganz objectiv herzugeben, unbekümmert, ob wir ihn in üppigen morgenländischen Pflanzungen, in wohlriechenden Hesperidengärten, oder unter mittelalterlichen Burgen aufsuchen müssen. — Eine solche Wanderung haben wir nun auch mit dem gelehrten Herrn Verfasser, dem bekannten Meister in der jüdischen Literärgeschichte, zu machen. Das gediegne und'an Materialien fast überfüllte Werk, das wir jetzt anzekgen, gibt größtentheils die Zustande wieder, wie sie wirklich waren, und — wenn auch der Herr Verfasser auf einigen Punkten mit etwas mehr Vorliebe schildert, worauf wir bei den einzelnen Stellen zurückzukommen gedenken, — so liegt doch dem Ganzen kein apologetischer oder polemischer Zweck eigentlich zuimGrunde, sondern die reine Absicht über manche bis jetzt noch nicht genugsam gekannte Partien der jüdischen Literaturgeschichte mehr Licht zu verbreiten.