Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 7 (Juli 1846)
- Date
- 1846-07-01
- Page
- Seite 259 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Geschichte der Judenin Polen. 259 stände zu tilgen, die die Inden von obiger Befreiungssteuer von der Militärpflicht schuldeten: würden die Rückstände abgezahlt sein, so sollte die Steuer aufhören. Allein die schuldige Summe ist schon längst gezahlt und die drückende Steuer dauert noch immer *). — Zu derselben Zeit wurde den Juden verboten Wirthshauser und Herbergen auf dem flachen Lande zu halten: eine Maßregel, die gerecht wäre, wenn die Regierung zugleich Sorge getragen hätte, ihnen andere Eristenzmittel zu verschaffen. Wir können die Darstellung dieser Epoche nicht beschließen, - ohne die Aufmerksamkeit der Leser auf die edlen Bemühungen zu lenken, durch die fich einige Juden die Achtung ihrer Mitbürger erwarben. . , Während derKriege für die Unabhängigkeit Polens (1792—1794) vertheidigten die Juden in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft die Hauptstadt und traten in die Armee ein. Mehrere zeichneten stch auf dem Schlachtselde aus. Die Juden schloffen sich ebenfalls an die Arbeiter und Bürger Warschaus an, die von dem tapfern Kilinski angeführt wurden, und halfeifmit ihnen die Hauptstadt von einer Armee von 11,000 Russen befreien, von denen drei Viertel auf dem Platze blieben **). Spater erblicken wir Berek ein Detachement polnischer Juden anführen. Die Tapferkeit dieses. Israeliten erwarb ihm die Achtung des Feldherrn und die der ganzen Nation. Er errang auf dem Schlachtfelde die Oberstenstelle und das polnische Militärkreuz, und fiel 1809 in einem Gefecht gegen die Oesterreicher. Graf Stanislaus Potocki, Minister des öffentlichen Unterrichts, führte in seiner Lobrede auf die Polen die stch durch ihre Hingebung und ihre Tapferkeit berühmt gemacht, auch den Obersten Berek an. Einen gleich thätigen Antheil nahmen die Juden an den Fortschritten der Wissenschaften, der Literatur und der Künste in Polen. Unter den Gelehrten führen wir Salkind Hur Witz geboren zu Kowno am Riemen an. - Er wurde nach Frankreich als Uebersetzer an der königlichen Bibliothek berufen. Er kannte vollkommen die politische, russische, deutsche, englische, italienische, französische, lateinische und grie- *) In neuerer Zeit sind die Juden militärpflichtig und muffen doch noch diese Steuer zahlen! Vgl. weiter. **) Die Inden bildeten mit Bewilligung Kosciuszko's am 17. October 1794 ein besonderes Pulk leichter Reiterei mit ihrem Obersten Jasielowicz an der Spitze. Bekannt ist ihre bewiesene Tapferkeit bei der Vertheidigung Praga's. Czacki sagt von ihnen (in einer vom Vers, angeführten Stelle): „Als im I. 1794 die Verzweiflung die Hauptstadt zu den Waffen greifen ließ, wußten die Juden dem Tode zu trotzen; und gemischt mit dem Volke und den Truppen haben sie bewiesen , daß die Gefahr sie nicht schrecke und die Sache des gemeinschaftlichen Vaterlandes ihnen thener sei." 20*