Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 7 (Juli 1846)
- Date
- 1846-07-01
- Page
- Seite 258 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2744856-2744883-2744891--1212-2746181- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
258 Zur Geschichte der Juden in Polen. Schatz auf ihre Kosten zu bereichern. Man führte sogar eine Steller für die fremde», nach Polen kommenden Juden ein, die die russische Regierung später wieder in's Leben rief und die noch heute dauert. So entfernte man sich immer mehr von dem Wege, die Juden zu polnischen Bürgern zu machen. Man verfolgte die Politik der Jesuiten in Rom. - Man betrachtete die Juden wie Verpestete und trennte sie von den anderen Einwohnern; verbot ihnen, in den Hauptstraßen zu wohnen und verbannte sie, trotz der Bürgschaft der Charte, in die abgelegensten Winkel. Zu derselben Zeit richteten die Juden das Gesuch an die Regierung vom Militärdienste befreiet zu sein und boten dafür die Uebernahme einer Steuer von 700,000 poln. Gulden. Dieses war ein großer Fehler von Seiten der Juden: das Vaterland muß vertheidigt und ihm die Steuer des Blutes dargebracht werden. Allein das Schicksal eines mit christlichen Soldaten dienenden Juden war so traurig, seine Stellung so beschwerlich, die Brutalität der Soldaten so grausam, daß es nicht befremdend ist, daß-man Alles aufbot, diesem auszuweichen. Während, der Kriege des Reiches gegen Rußland blieben die Juden, die mehr als alle andern Bewohner der Rache des Siegers ausgesetzt waren, neutral. Dieses Verhalten ist gerechtfertigt durch die Fehler, die Napoleon begangen hatte. Er stützte sich auf den Adel, und vergaß ganz die Städte und den Bürgerstand, sowie die Juden und ihre Interessen. Sechs Millionen Einwohner, die in ihrer Hand die Hülssquellen des Landes hielten, konnten ein großes Gewicht in die Waagschale der Erfolge Wersen, wenn sich ihnen eine bessere Zukunft gezeigt hätte. Wir bemerken hier, daß unter der Herrschaft der fremden Könige die Lage des Volkes nie eine Veränderung erfahren. Ein Monarch, dessen Dynastie keine Wurzeln im Lande'hat, die seinen Thron befestigen, ist gezwungen, sich auf den Adel und die Geistlichkeit zu stützen. So begann mit Ludwig von Ungarn die lange Reihe von Zugeständnissen an den Adel, die mit dem liberum Veto endigten, mit der Vernichtung der Städte, der Sclaverei der Bauern und der Verfolgung der Juden. Heinrich von Valois würde, wenn es ihm gestattet worden wäre, in Polen das Blutbad eingeführt haben, welches die Straßen von Paris besteckte. Die Sachsen haben die unglücklichen Bauern in ihrem frühem traurigen Zustand gelassen, und es verdankeü ihnen die Juden die erniedrigende und beschwerliche Steuer, Koschor genannt,die der Regierung mehr als zwei Millionen jährlich einbringt und vorzüglich die Armen drückt, da sie von dem Fleische, welches sie essen, eine Abgabe zahlen müssen. - Diese durch Ordonanz vom 22. Mai 1810 eingeführte Steuer hatte zum Zwecke oder zum Vorwand, die Rück-