Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 7 (Juli 1846)
- Date
- 1846-07-01
- Page
- Seite 257 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Geschichte der Juden in Polen. 257 beschützten wenigstens die Gesetze die Unglücklichen; in Rußland aber wurde den Launen der Gouverneure, der Osficiere, der unwissenden, barbarischen und habsüchtigen Beamten Alles überlassen. Alle wollten ihr Glück machen, indem sie die Juden plünderten, die sie für reich hielten. Wenn das Opfer das Gold verweigerte, das es nicht halse, so legte es der Tyrann auf die Folter, um ihm durch Schmerz den Schatz zu entreißen, den es nicht besaß. Die unteren Osficiere ahmten das Beispiel nach, das ihnen von oben kam; die Soldaten selbst, diese unglücklichen Sclaven, waren für den Augenblick, wo sie Juden begegneten , Herren. /Nicht selten erblickte man einen Greis, einen Gelehrten, einen anständigen Familienvater das Gepäcke eines Soldaten tragen und ihm zum Führer dienen, glücklich genug, wenn er nicht noch einige Stöße als Dank erhielt. Mit einem Worte, in Rußland bediente sich die Regierung des mindesten Vorwandes, um den Juden Geld zu entreißen, sei es durch Monopole oder durch Stellern oder ungerechte Verfolgungen. Und als Ersatz hierfür gestattete es ihnen kein Recht. Jedes ehrenhafte Amt, jeder anständige Beruf war ihnen untersagt. Sie konnten nicht die Schulen besuchen, selbst der Eintritt in die Hauptstadt des Reiches war ihnen verboten. Sie durften sich nicht in den großen Städten aufhalten, noch Grundstücke besitzen. ' > Gehet man durch die Reihe der Unglücksfälle,"die die Juden seit der Theilung Polens betrafen, so muß man sich wundern, daß noch so eine große Anzahl eristirt. Im Jahre 1807 wurde'das Herzogthum Warschau geschaffen. Das /Haus Sachsen wurde berufen, um über einen Theil Polens zu herrschen. Alle Einwohner, und daher auch die Juden rechneten auf eine bessere Zuklrnft. Auch wurde wirklich das Princip der „Gleichheit vor dem Gesetze" proclamirt. Allein die Bauern, arm, unwissend, ohne Kenntniß eines Handwerks oder der Industrie, konnten von dieser Wohlthat keinen Nutzen ziehen: sie blieben auf den Gütern ihrer früheren Herren. Die Gleichheit vor dem Gesetze wurde auch zu Gunsten der Juden verkündet; dennoch wurde auch ihr Schicksal nicht verbessert. Sie mußten Ausnahmssteuern leisten*); die administrativen Verordnungen beraubten sie Alles dessen, was das organische Gesetz ihnen.bewilligt hatte. Weit davon entfernt, den von dem erleuchteten Czacki entworfenen Reformplan zu befolgen, dachte man nur daran, den *) Daß Sachsen i» seinem eigenen Lande nicht kesser verfuhr, und die Juden hier länger als anderswo Leibzoll zahlen mußten, ist bekannt.' Frankel, Zeitschrift-M. 20