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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1846-07-01 · 7 (Juli 1846) · p. Seite 256

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1846)
Issue
7 (Juli 1846)
Date
1846-07-01
Page
Seite 256 (sequence 18)
Language
German
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256 Zur Geschichte der Juden in Polen. Das Schicksal der. Juden war durch diese gauze Zeit sehr beklagenswert!). Sie wurden auf gleiche Weise von den siegenden und besiegten Christen verfolgt. Der Soldat schonte nicht den Juden, welchen er verfluchte; er machte Alles, was diesem gehörte, zur Beute. Der Bürgerstand mußte allein die ganze Last des Krieges trageil, und die Armee, die nicht besoldet wurde, überließ sich der Plünderuilg. Daher der Verfall der Städte, die Vernichtung der Industrie und des Handels. So verloren auch die Juden, die des einzigen Mittels ihrer Existenz beraubt waren, die Früchte ihrer Ersparnisse. Ihre Familien, ihre Frauen und Kinder waren der ganzen Zügellosigkeit undisciplinirter Krieger preisgegeben. Das Vorurtheil, der Fanatismus und ohneZweifel die jesuitischen Jntriguen schoben auf sie die Nnglücköfälle, an denen sie gar nicht schuld waren. Selbst der Bürgerstand, vom Adel gedemüthigt, von dem Genüsse politischer Rechte ausgeschlossen, trennte seine Sache von der der Juden *). Und so vereinigten sich denn alle Klas-. sen.der Gesellschaft, jene, welche befahl und jene, welche gehorchte gegen sie, und ist die Geschichte der Theilrrng Polens nur ein trauriges Bild der fortgesetzten Leiden der Juden. Als Polen von den drei benachbarten Mächten zerstückelt wurde, fiel ein Theil der jüdischen Bevölkerung an Preußen, ein anderer an Oesterreich, ein anderer endlich an Rußland.heim. I» Preußen war. ihr Schicksal am wenigsten zu beklagen. Sie haben dort die Landestracht angenommen und sie konnten wenigstens ungestört ihre religiösen Ceremonien ausüben. Wenn sie auch nicht dieselben Rechte wie der Bürgerstand der andern Confession genossen, so war ein großer Schritt gethan, um einst dieses Resultat herbeizuführen **). Die Schule Mendelsohn's hat übrigens hier einen großen Einfluß geübt. Die Juden Preußens erwarteten nur einen Strahl der Freiheit und Gerechtigkeit, um dein edlen Antrieb (Beispiel) zu folgen, den ihnen die französischen und holländischen Juden gaben (?). - In Oesterreich machte sich oft der Einfluß der Jesuiten fühlbar. Einige Fanatiker beschworen zuweilen alte Vorurtheile und unsinnige Verläumdungen herauf, um den Haß des Pöbels gegen die Juden anzuregen ***). Doch am meisten litten die Juden unter der Moscowitischen Herrschaft. In Pole», in Preußen, in Oesterreich *) Die Juden zu Warschau reichten eine Petition an die Vertreter des BürgerstäUdes ein, die der Vers, ausführlich mittheilt. **) Im Jahre 1833 wurden die Juden im Großherzogthum Posen den andern Juden des preußischen Reiches, die durch Edikt von 1812 viele Rechte der. Bürger "genießen, gleichgestellt. ***) Vergl. den Nachtrag.

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