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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1846-07-01 · 7 (Juli 1846) · p. Seite 253

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1846)
Issue
7 (Juli 1846)
Date
1846-07-01
Page
Seite 253 (sequence 15)
Language
German
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IRI
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Zur Geschichte der Juden in Polen. 253 lienö, und nach vielem Forschen fand er, daß die jüdische Religion die reinste und vernünftigste sei. Er wollte sogleich in Italien Jude werden; allein die Rabbiner, die den Papst fürchteten, widersetzten sich seinem Wllnsche. Er reiste also mit seinem Schulkameraden nach Amsterdam, wo nach neuem Untersuchen und Forschen beide sich beschneiden ließen und die jüdische Religion annahmen; man gab ihnen den Namen A br a h a m (nach jüdischem Gebrauch, weil der Patriarch Abraham der erste Proselyt war). Sie blieben daselbst einige Jahre, die sie ans das Studium des Gesetzes und des Talmuds verwendeten. Potocki wollte hierauf Buße thun für seine Jugendsünden und nahm als politischer Jude verkleidet den Wanderstab zur Hand. Wahrend sein Gefährte in Amsterdam blieb, irrte er von Land zu Land, von Stadt zu Stadt, bis er nach seiner Geburtsstadt Wilna kam, wo man ihn erkannte und beim Gericht denuncirte. Man sperrte ihn ein, und als er protestirte nicht der Graf Potocki-zu sein, marterte man ihn so sehr, indem man ihm die Fersen mit einem heißen Eisen brannte, daß er endlich gezwungen wurde alles Vorgefallene zu gestehen. Als er mit schweren Ketten beladen im Gefangniff war, verwendete er seine ganze Zeit darauf, seine ihn häufig besuchenden Freunde und Verwandten zu der jüdischen Religion zu bekehren; doch diese verlachten ihn als einem Narren. Endlich verurtheilten ihn seine Richter dem Gesetze gemäß zum Feuertode. Beim Scheiterhaufen angelangt, hatte der glaubensmuthige Potocki noch die Kraft folgende Worte an seine zahlreichen Zuhörer zu richten: „Wähnet nicht, daß es eine Gerechtigkeit ist,'die ihr ausübet; ich sterbe gern für die Wahrheit; ich lasse mich von euren mit unschuldigem Blute getränkten Händen alls Liebe zu einer Religion martern, die die allein gerechte und wahre ist." . Und nachdem er Schema Jisrael gesprochen, stürzte er sich auf den Scheiterhaufen. Die Juden in Wilna häuften seine Asche zusammen und begruben sie auf ihrem Gottesacker. Der Gaon Elias, Oberrabbiner zu Wilna *), legte durch ein ganzes Jahr Trauer um diesen Märtyrer an, man ließ alle Tage zehn der frömmsten Juden für die Seele des edlen Verstorbenen beten, und noch jetzt wird jährlich an dem Sterbetage ein Gebet in allen großen Synagogen Polens angestellt '). Der Gefährte Potocki's, welcher dachte, daß seine Bekehrung zum Judenthüm eine Heirath mit einer Katholikin unmöglich mache, hatte *) Da Potocki zu den Zeiten des bekannten R. Elia Wilna lebte, so muß es wohl oben heißen „achtzehntes" und nicht „siebzehntes" Jahrhundert. 1) Dieses Gebet heißt: El male rachmim ff.

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