Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 7 (Juli 1846)
- Date
- 1846-07-01
- Page
- Seite 252 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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252 Zur Geschichte der Juden in Polen. Johann Hl. (Sobieski) gab ein Jude, der Günstling des Königs war, Gelegenheit zu manchen Anekdoten, die von seinem Einfluß und seinen Fähigkeiten zeugen *). Die Entscheidungen des Landtages von 1717 (zu lesen im Volumen lexum) bekunden, daß die von fanatischen Priestern aufgehetzten Bauern sich aller Arten von Ungerechtigkeiten gegen die Juden überließen, so daß die Gesetze sie unter ihren Schutz nahmen. Und in der That, bedenkt man, daß diese armen Bauern erschöpft durch die Erpressungen und die Raubgier der Herrschaft eines ausgelassenen republikanischen und anarchischen Adels selbst Unglückliche Sklaven waren, so wird man begreifen , daß die von ihnen verfolgten Juden Sklaven der Sklaven waren. — Um diese Zeit sendete die katholische Kirche ihre Missionare in die Synagogen. Dort disputirten sie mit den Rabbinern und Gelehrten. Zuweilen drangen auch die Priester mit Gewalt in die Synagogen ein. Im 1.1721 kam der Bischof Szamowski, begleitet von, militärischer Macht, in die Synagoge zu Lemberg, ohne sich an die Bitten der Juden zu kehren, die seine Predigten nicht hören wollten. Spuren dieser moralischen Gewaltthätigkeit finden sich in der Bibliothek von Czacki und in den Akten des Kanzlers Szembek. — Die Juden brachten übrigens oft, um sich aus Gefahren zu retten, ihre Klagen bei den Großen der Kirche an. Im 1.1759 richteten sie eine Collec- . tivpetition an den Primas des Reiches. Wir wollen hier auch eine Erzählung geben von der Bekehrung - eines gewissen Grafen Potocki, genannt Ger Zedek (pns is frommer — vollständiger — Proselyt), der im 17. Jahrh. lebte. Potocki, geboren im Gouvernement Wilna, that sich schon in seiner frühesten Jugend in den theologischen Studien hervor. Er prüfte die Dogmen aller bekannten Religionen und stellte über jede Untersuchungen an; er disputirte mit den Geistlichen aller Sekten und unternahm Reisen in verschiedene Länder Europa's, um Gelegenheit zu haben, sich mit den gelehrtesten Männern zu besprechen. Zu Rom erkünstelte er, um Eintritt beim Papst zu erhalten, eine eifrige Anhänglichkeit an die katholische Religion; er sah daselbst Ceremonien, die ihm mißfielen , aber er hüthete sich, wohl vor einer Aeußerung hierüber. Endlich entfernte er sich heimlich vom römischen Hof und machte sich an die Untersuchung der mosaischen Religion. Er unterhielt sich mit den Rabbinern Jta- >*) Dieser Jude hieß Bezalel und war, wie Lengnich Pacta conventa p. 72 sagt, vorzüglich durch die Gunst der Königin, ein anderer Mordechai an Macht und Ansehen. Johann Sobieeki war überhaupt den Juden gewogen und hatten sie Zutritt bei Hofe, auch wurde ihnen die Pachtung der Zölle gestattet. Idem 1. 1. '