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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1846-07-01 · 7 (Juli 1846) · p. Seite 254

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1846)
Issue
7 (Juli 1846)
Date
1846-07-01
Page
Seite 254 (sequence 16)
Language
German
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254 Zur Geschichte der Juden in Polen. fast seine früher ihm angetraute junge Braut ganz vergessen. Doch diese gab ihm den größten Beweis ihrer Liebe, indem sie ihm schrieb: „Zwei Freunde irrten in einem Wald; der eine fand endlich den rechten Weg, theilte ihn aber nicht dem andern Freund mit und ließ ihn weiter irre gehen. So handelst du gegen mich." Der junge Mann ließ sie hierauf nach Amsterdam kommen, wo auch sie die jüdische Religion annahm und sie hierauf ihre Vereinigung feierten * *)• Unter Stanislaus August (Poniatowski) richtete sich'die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Judenfrage. Man dachte an Reformen, schaffte die schädliche Macht der fanatischenRabbinen ab*), und versprach Jenen, die sich dem Ackerbau ergeben wollen, Befreiung von der Personsteuer. „Und schon hatte ich, als ich im Finanzcollegium functionirte, erzählt Czacki, die Freude, einige Familien Gebrauch von dieser Freiheit machen zu sehen." Dieser ehrenwerthe Bürger, dieser aufgeklärte Pole, ein Mann, dessen Andenken immer theuer sein wird und den man als ein Muster für die Staatsmänner hinstellen kann, die sich mit der Judenfrage beschäftigen, war zu der gesetzgebenden Commission berufen worden und nachdem er genau die Lage der Juden abgewogen hatte, arbeitete er ein Werk aus, welches allen aufgeklärten Geistern und edlen Gemüthern als Basis und Leitfaden in diesen wichtigen Fragen dienen sollte. Derselbe Mann hatte, als er Mitglied des großen Landtages war, ein „Reformproject für die Israeliten" veröffentlicht, welches ohne Zweifel würde angenommen worden sein, wenn nicht Polen von seinen treulosen Nachbarn überfallen und getheilt worden wäre**). 1) Vgl. die Biographie des Grafen Potocki (Ger Zedek). Wilna, 1805. *) Es tzurde schon oben bemerkt, daß die Macht dieser „fanatischen Rabbiner" die Stütze der im Mittelalter Verlassenen und sich selbst Ueberlassenen war; und kommen unparteiische Schriftsteller überein, daß ihr die Erhaltung des Judenthums und der Sittlichkeit unter den Verstoßenen und von allen Seiten Bedrückten zu verdanken sei. **) Der Vers, bringt hier den ausführlichen Plan, den wir, obschon er viel Treffliches und Humanes enthalt, wegen des gedrängten Raumes nicht wiedergeben können. Wir setzen an dessen Stelle folgende, zur Verständigung der neueren Geschichte der Juden in Polen notwendige historische Notiz. Mit der Thronbesteigung Stanislaus Poniatowski's (I. 1764) war das Signal zur Auflösung Polens gegeben. Dieser schwache Fürst wgr eine Maschine in der Hand, der schlauen Katharina II. und stand ganz unter dem Einflüsse Rußlands, das unter der Miene, die alten Freiheiten der Republik zu bewahren, auf Polens Untergang hinarbeitete. Im I. 1772 erfolgte die erste Theilung zwischen Oesterreich, Preußen und Rußland, wodurch 3000 Ouadratmeilen von Polen losgerissen wurden. Die Polen, auf die von allen Seiten ihnen drohenden Gefahren

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