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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1846-07-01 · 7 (Juli 1846) · p. Seite 251

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1846)
Issue
7 (Juli 1846)
Date
1846-07-01
Page
Seite 251 (sequence 13)
Language
German
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Zur Geschichte der Juden in Polen. 251 Es ist zwar wahr, daß einige Juden, die die Grundstücke des Adels gepachtet und sich aus Habgier Bedruckungen gegen die Bauern erlaubt hatten, Strafe verdient haben; aber die Rache ergoß sich über ein ganzes schon an sich unglückliches Volk, die Mordwuth verschonte nicht den unschuldigen und wehrlosen Arbeiter, Gelehrte und redliche Künstler* *)! So seufzten denn die Juden unter dem tiefsten Unglück, und sie erwarteten daher den Messias. Als einen solchen gab sich unter Johann Kasimir der bekannte SabbataiZewi zu Konstantinopel aus. Einige Juden aus der Ukraine und den benachbarten Provinzen besuchten den Propheten in seinem Gefängniß; aber Nehemias, einer dieser polnischen Juden, legte der türkischen Regierung die Betrügerei des Propheten an den Tag, und daß sie sich lächerlich mache, indem sie ihm Schutz angedeihen ließ.—Im 1.1670 wurde den jüdischen Fabrikanten verboten christliche Arbeiter zu halten. Auch wurde ihnen nicht gestattet eine öffentliche Revenue in Pacht zu nehmen, auch sollten sie nicht auf mehr als 20 von 100 Geld verleihen. Dieser letztem Maßregel wäre kein Vorwurf zu machen, wenn sie auch gegen die anderen Bewohner des Landes und nicht gegen die Juden allein erlassen worden Ware. — In den Kriegen mit den Türken beschuldigte man die Juden der Verrätherei; aber mit Unrecht. Ueberhaupt ist eine solche Beschuldigung eines ganzen Volkes durchaus ungerecht; denn wenn sich auch ein verwerfliches Individuum findet, das sich zum Spion hergibt, kann man alle seine Glaubensgenossen dafür verantwortlich machen? **). Man beneidete alle Juden, die beim König Zutritt hatten. Vorzüglich waren die Jesuiten bemühet, sie von da zu entfernen. Unter sie wollten auch Pröselyten machen! Wie ihre viehische Roheit sich an den geheiligten Gegenständen der Juden äußerte, sie Gesetzrollen zerschnitten und Schuhriemen daraus machten, u. dgl. m., wird dort ausführlich erzählt, und theilt der Vers, die schauderhaste Nachricht mit, daß sie Kinder, in die s. g. Frauenbäder warfen und die Halblebenden mit Erde überschütteten. Diese Gräuelthaten, unter den polnischen Juden Oeseret Otmmel benannt, ereigneten sich im I. 5408. 5409. (1648. 1649) und kamen mehr als 100,000 Juden um. Die polnischen Juden gedenken noch jetzt dieses Ereignisses durch einen alljährlichen Fasttag am 20. Siwau. *) Der Verf. entwirft nach dem Vorhergehenden ein etwas zu. schwaches Bild. Bemerkenswerth sind jedoch folgende bei ihm aus einer von den Warschauer Juden 12. Mai 1670 eingereichten Bittschrift entlehnten Worte: „Unsere Augen sind schon ganz zerwaschen, unsere Beutel ganz leer, die ganze Welt schindet uns. Viele von uns sterben vor Hunger u. s. w. **) Diesen Vorwurf des Einverständnisses mit dem Feinde brachte der Judenhaß des Mittelalters, wenn nicht Brunnenvergiftungen u. dergl. ausreichen wollten, allenthalben vor.

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