Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 7 (Juli 1846)
- Date
- 1846-07-01
- Page
- Seite 250 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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250 Zur Geschichte der Jude» in Pole». wir den aus jüdischemBlute herstammenden polnischen Christen machen, nicht ohne manche edle Ausnahme: wir werden darauf zurückkomme'i, - wenn wir von den Anstrengungen der Auswanderung und von den religiösen Sekten sprechen werden. Aber die Bestrebungen der Jesuiten, die Schriften, die Drucksachen, die Predigten und andere Mittel, die der bis zum Wahnsinn getriebene Fanatismus eingegeben hatte, erregten aufs Höchste den politischen Haß gegen die die Juden.' Unter Wladislaw IV. und Johann Kasimir, der selbst Jesuit gewesen war und seine eigenen Schwüre nicht zu vollführen wußte *), wie Wladislaw seine Vertrage mit der Türkei **), brachte dieser unversöhnliche Haß unerhörte Mordscenen hervor. Bauern und Kosaken tödteten die Juden zu Tausenden ***). *) Wladislaw war kinderlos gestorben und es bestieg sein Bruder Johann Kasimir, der früher Ln den geistlichen Stand getreten war, den Thron. Seine Regierung ist eine Kette von widrigen Ereignissen: er war mit den Kosacken, den Russen, Schweden und Türken in großentheils unglückliche Kriege verwickelt, wahrend er zu Hause von seiner Gemahlin ganz geleitet sich Jntriguen und dem unedelsten Hasse gegen den um ihn sehr verdienten ^rongroßmarschalt Lubomirski hingab. Er legte endlich freiwillig den 16. Sept. 1668 die Krone nieder, und begab sich nach Frankreich in ein Kloster, wo er 1672 starb. **) Der Vers, ist hier etwas dunkel. Wladislaw, einer der besten polnischen Könige war gegen die Türken nicht unglücklich und wehrte ihre Angriffe ab. Hingegen erlitten unter ihm die Polen von den Kosacken eine traurige Niederlage, wovon folg. Anmerkung. ***) Stephan Bathory hatte die Kosacken (diese sollen Nachkommen russischer Flüchtlinge sein, die bei den Einfällen der Mongolen in Rußland sich in den Gegenden des Nieder-Dniepers niederließen, vgl. Bornschein S. 100 Anmerk.) in den polnischen Staatsverband ausgenommen und ihnen manche Rechte zugestandeu. In der Folge ließ der polnische Adel auch den Kosacken seinen gewöhnlichen Uebermuth fühlen und wollte sie auf gleichen Fuß mit den polnischen Bauern setzen. Hierüber brach ein großer Aufstand unter den Kosacken aus, und sielen sie, von ihrem Hettman Chmielnicki angeführt, in Polen ein. Don der ihnen entgegenrückenden polnischen Armee ging ein Theil zum Feinde über, der andere Theil wurde gänzlich aufgerieben. Zu gleicher Zeit starb Wladislaw. „Uns ergriff doppelt Angst und Schrecken, erzählt der bekannte R. Schabbatai Cohen, der eine Denkschrift über das damals die Juden betroffene vielfache Unglück verfaßte (angehängt dem Buche Schebet Jehuda). Wir hatten gehofft auf den frommen König Wladislaw, der mit Recht zu den Fommen gerechnet werden kann und .stets sich den Juden gnädig bewies. Doch er starb, ehe noch die Nachricht von der Niederlage ankam." Die Wuih der Kosacken ergoß sich vorzüglich gegen die Juden. Die Gemeinden zu Nemrow, Bar, Pawlowitsch, Pinsk, Brzesk u. A. wurden Opfer der zügellosesten Barbarei. Ungemein erschütternd ist besonders das Bild von dem Untergange der Gemeinde zu Umia. Die polnischen Besatzungen erkauften sich häufig mit Preisgebung der Juden freien Abzug, und die Kosacken waren nicht nur beutelustig, sondern