Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 7 (Juli 1846)
- Date
- 1846-07-01
- Page
- Seite 249 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Zlir Geschichte der Juden in Polen. 249 Neid des Adels ein Gesetz 1764 durch, welches ihnen unter Strafe der Confiscation befahl, diese Güter zu verkaufen. Doch hat eine Constitution von 1768 dieses Gesetz wieder abgeschafft. Doch ist das Loos . der Neophpten so geblieben, daß zurückgestoßen von ihren neuen Glaubensgenossen, verachtet und gehaßt vom Adel sie nur den Abschaum der Gesellschaft bilden. Auch erröthen und zittern ihre Kinder und Nachkommen, wenn sie nur das Wort „Jude" nennen hören. Sie geben sich den Anstrich Feinde der Glaubensgenossen ihrer Vorältern zu sein, um dem Adel zu schmeicheln, der sie selbst verachtet. — Es eristiren noch heute Familien, die durch dieses Gesetz in den Adelstand erhoben wurden. Die bedeutendsten sind die Lelewel und Malachowski Der erste Lelewel1 2) war, wie man sagt, königlicher Leibarzt; er hatte das Glück den Hofzwerg zu heilen, und man gab ihm ein Dorf, Waffen und machte ihn zum Christen. Andere behaupten, daß er als Christ aus Holland gekommen sei und in Polen den Adel erlangt und sein Glück gemacht habe. In allen.gesellschaftlichen Standen, in allen politischen Meinungen, unter Gelehrten und Literatoren findet man Familien und geachtete Namen, die aus israelitischen Stamme hervorgegangen sind, und es würde zuviel sein sie herzuzählen , auch würde der Umfang des Werkes nicht dazu hinreichen. Einige verrathen sich durch die Endigung des Namens, bei andern ist er nicht mehr kennbar. Doch verbergen sie Alle, da ein allgemeiner Widerwille gegen den Namen Jude sich in Polen auöspricht, sorgfältig ihre Abstammung. Andere zeichnen sich sogar in Schrift und Wort durch Haß gegen ihre alten Glaubensgenossen aus, als wollten sie durch diese traurige Politik Verzeihung erlangen für den Fleck der auf ihrer Geburt haftet. Es ist zu verwundern, daß Männer von ausgezeichnetem Talent Und höherer Stellung nicht den Muth haben, gegen Vörurtheile zu kämpfen und die Vertheidigung der verachteten und verfolgten Juden zu übernehmen. Doch ist der Vorwurf, den 1) Das Wort Mal ach (-^^2) bedeutet auf hebräisch Engel. Die Endung ski findet sich fast bei allen polnischen Familiennamen und ist gleichbedeutend mit von: so Pan Tarnowski, Herr von ^arnow; Pan Zamoiski,' Herr von Zamosc. Vielleicht nannte sich der erste Malachowsks, als er die christliche Religion annahm, Mal ach, er wollte ohne Zweifel anzeigen, daß er die Mission eines Malach, eine evangelische Mission,- erfülle. 2) Dieses Wort entspringt aus zwei hebräischen Ausdrücken: Lo-lehewel (irrt &h), d. i. nicht vergebens; als wollte er sagen, daß er mit der Annahme der katholischen Religion nicht eine unnütze Sache gethan. (Die Comlinationen des Vers, in dieser und der vorigen Anmerk, sind sehr frostig; und wenn nicht andere Beweise vorliegen, so dürfte hieraus wenig zu folgern sein.)