Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 7 (Juli 1846)
- Date
- 1846-07-01
- Page
- Seite 248 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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248 Zur Geschichte der Juden iu Polen. Werk, betitelt: „ Zügellose Ausschweifung der Juden." Ein anderes führte den Titel: „Wehklagen der von den Juden erwürgten Kinder;" und noch mehrere andere, deren Titel allein schon den Unsinn oder den bösen Sinn der Jesuiten beweiset. — Der Arzt Sleszkowski, eifersüchtig auf die Juden, die das Glück hatten Kranke zu heilen, schrieb gegen sie und verlangte, daß ihnen verboten werde, Patienten zu besuchen. Ersetzte an die Spitze eines Werkes folgende Worte: „Evidenter Beweis, daß Diejenigen, welche sich an jüdische und tartarische Aerzte wenden, nicht allein ihre Seele, sondern auch ihren Körper der Zerstörung und der Verdammniß preisgeben. Dieser Beweis ist geschrieben von einem Mönch und herausgegeben von dem Doctor Sleszkowski im Jahre 1623." Dieses Schandwerk wurde zu Krakau im 1.1649 nochmals aufgelegt. In dieser zweiten Schrift scheuet, sich nicht der schändliche Verfasser zu behaupten, daß die Pest und die Hungersnoth die Folgen des göttlichen Zornes gegen die Polen, seien, weil sie den Juden eine Zufluchtsstätte gewahren. v * Wir müssen jetzt von den Versuchen sprechen, die man in Polen gemacht hat, um die Juden zum Religionswechsel zu bewegen. Wir haben gesehen, daß man sich von der Politik Kasimir des Großen entfernte, die Juden verfolgte,- fanatischen'Schriftstellern gestattete eine Kläffe unschuldiger Menschen dem Haß preiszugeben und das abergläubische Volk gegen sie aufzuregen; wir haben wahrgenommen, daß statt anzuziehen, aufzuklären, zu veredeln, sie zu guten Bürgern und dadurch zugleich beliebt und nützlich zu machen, man einen unversöhnlichen gegenseitigen Haß großzog. Beim Beginn der Regierung Siegmund II. August nahm das lithauische Statut (Art. 8 —12) die getauften Juden in den Adelstand auf. „Blind sind die Juden Lithauens, ruft Grabowski 1611 aus, die weder die Privilegien, des Adels noch den wahren Glauben annehmen wollen." Der Adelstitel, ja das noch höhere Vorrecht eines Bürgers vermochte also Nichts über die verachteten verfolgten Juden, konnte sie nicht bewegen,, den Glauben-ihrer Väter abzuschwören und ihre innere Ueberzeugung irdischen Interessen zu opfern. Nur wenige Juden machten Gebrauch von diesem Gesetze, nur wenige Familien gingen zum Christeirthum über. Das Betragen der Katholiken war übrigens gegen die Reophyten (Getauften) sehr gehässig; sie nannten sie verächtlich prreksrtx, wykszty (Abtrünnige,Neberläufer). DieseVerachtung haftete noch an ihren Enkeln und späten Nachkommen , und brach oft bei den Debatten und Entscheidungen der Landtage hervor. — Als die Kinder der Neophhten Güter erwarben und Grundstücke erkauften, fetzte der