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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1846-07-01 · 7 (Juli 1846) · p. Seite 246

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1846)
Issue
7 (Juli 1846)
Date
1846-07-01
Page
Seite 246 (sequence 8)
Language
German
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246 Zur Geschichte der Jude« in-Polen. Verfasser: Ad quaerelam mercatorum Cracoviae, responsum Judaeorum declaratum, 1539 *). Sie beweisen in dieser Schrift, daß die Religionen wechseln-(dieses Werk erschien bei der Ausbreitung des Lutherthums), aber die Menschen sollen nicht deßhalb sich verfolgen; daß die Juden den Handel mit den Landesproducten'betreiben und Geld ins Land bringen, daß es wohl besser sei, die gekannte Religion der Juden zu dulden, als sie zur Heuchelei zu zwingen. Es wird noch überdieß gesagt, daß es in Polen keine Handwerker gibt, und daß man nur 500 christliche Kaufleute finde, während die Juden 2200 Kaufleute und dreimal soviel Handwerker aufzuweisen haben. Endlich fügen sie hinzu, daß sie nicht von der Kirche abhängen sollten; sie ständen unter dem Könige, dessen Schutz sie zur Ansiedelung auf polnischem Boden herbeigezogen hätte **). Aus dem Circularschreiben für die Steuern gehet hervor, daß vor einem Kriege die Juden einen doppelten Beitrag zahlen mußten, und wenn es sich um einen Ersatzmann handelte, forderte man von ihnen zweimal so viel wie von den Christen. — Die Gerichtsbarkeit bei den Juden wurde ausgeübt von den Rabbinern, die einen ersten Rabbiner an ihrer Spitze hatten. Der erste, der dieses hohe Amt verwaltete, war Michel aus Brzesk ***)..In einem lithauischen Matrikel Theil 7 findet sich die Verordnung Siegmund's I. aus dem Jahre 1506, welche Michel zu dieser Würde ernennt. In den königlichen und Herrenstädten übten die Oberrabiner das Amt der Richter. Diese Macht war sehr groß unter den Juden; denn es waren Lebens- und Erilstrafen nach dem mosaischen Gesetze ihnen anheimgegeben. Wir. müssen hier auch was Cardinal Commandoni, päpstlicher Nuntius am Hofe Siegmund August's, über die Juden berichtet erwähnen: ein Mann, den man wohl nicht der Vorliebe für die Juden beschuldigen wird. „Man findet noch in diesen Provinzen eine große Anzahl Juden, die nicht so verachtet sind, wie an den meisten anderen Orten. Sie leben hier nicht von niedrigem Gewerbe, von Wucher *) „ Antwort der Jude» gegen die Klagen der Kaufleute zu Krakau." Also auch hier dieser Stand. Der Brotneid spielte zu jeder Zeit seine Rolle bei Judenverfolgungen, und es ist an manchem-deutsche« Staate nachzuweisen, daß dieser Brotneid sogar den Religionshaß überlebt hat und bei aller Aufklärung noch fortlebt. **) Wir bedauern sehr nicht im Besitze dieser jedenfalls sehr interessanten und über die damalige Lage der Juden Aufschluß gebenden Schrift zu sein; sollte sie uns noch zu Händen kommen, so werden wir einen Auszug hiervon mittheilen. ***) Ueber diesen Michel sowie über den weiter gedachten Simon Günzburg u. A. wird der Nachtrag Mehreres bringen.

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