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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1846-06-01 · 6 (Juni 1846) · p. Seite 222

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1846)
Issue
6 (Juni 1846)
Date
1846-06-01
Page
Seite 222 (sequence 24)
Language
German
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222 Zur Geschichte der Jude« in Polen. klärter als der Adel, sich oft zur Vertheidigerin der Bürger im Allgemeinen und der Juden insbesoildere aufwarf. Als im Jahre 1464 das Volk sich zu einem Kriegszuge gegen die Türken versammelte, fo. stürzte es zuerst aus Fanatismus über die Juden zu Krakau her, die es in großer Anzahl tödtete. König Kasimir der Jagellone, aufgebracht über diese blutige Zügellosigkeit, bestrafte Jene, die sie zugelassen hatten. Unter Siegmund dem Ersten erhielten die in Böhmen verfolgten und beraubten Juden die Erlaubniß in Polen ei» AM unter denselben Gesetzen zu suchen. Eine Synode hervorragender polnischer Juden richtete an ihre Glaubensgenossen folgenden Aufruf: „Jehovahat zahlreiche Sephirot. Adam stehetda als Muster verschiedener Vollkommenheiten. Ein Jude soll sich also nicht auf eine Wissenschaft nur beschränken. Die erste Wissenschaft ist heilig, deßhalb aber sollen nicht die andern unbeachtet bleiben. Die beste Frucht ist der Paradiesapfel, allein darfman deßwegen nicht an anderen Aepfeln Geschmack finden? Alle Wissenschaften gehören der Erfindung unserer Vater an, und wer nicht gottlos ist, wird den Ursprung unseres Wissens ln den Büchern Mosis finden. Was der Ruhm unserer Väter ist, kann nicht jetzt sich in Schmach umwandeln. Es hat Juden-an den Höfen der Könige gegeben. Mordechai war gelehrt, Esther war weise, Nehemia war persischer Rath und rettete das Volk aus der Sklaverei. Verleget euch auf die Wissenschaften, seid nützlich den Königen und den Herren, und die ganze Welt wird euch achte». Es giebt so viele Juden auf der Erde wie Sterne am Himmel und Sandkörner am Meere; allein bei uns leuchten sie nicht wie die Sterne, wohl aber tritt uns die ganze Welt mit Füßen in dcnSand. Unser König ist so. weise wie Salomon, so heilig wie David, er hat bei sich einen andern Samuel," der fast Prophet ist (dieses beziehet sich auf den berühmten Kanzler Samuel Maciejowökl).' Er betrachtet fein Volk wie einen unermeßlichen Wald: die Winde werfeil denSameit allerBäume umher und Niemand fragt, von wo die schönsten Pflanzen kommen. Warum sollte also unsere Erder Libanons sich nicht in der Mitte der Rasen erheben"*)? , *) Dieses Document ist wen» echt in vieler Hinsicht bemerkenswerth. Siegmund I. ans dem Hause der Jagellonen, regierte von 1506—1548. Es war als» schon um diese Zeit die Kabbala nach Polen gedrungen und hatte sich so allgemein verbreitet, daß man in einem Aufruf an das Volk mit den Seph-irot begann/ und sie zu- Unterlage der Aufforderung zur wissenschaftlichen Bildung nahm. Nicht niinder interessant ist diese Aufforderung und Anempfehlung der Wissenschaften in jenem Zeitalter, wo in Deutschland und gewiß nicht weniger in Polen di« größte Finsterniß unter den Juden herrschte. Oder hatte vielleicht die Wissenschaft bei den polnischen Juden,' die einen weniger harten Druck erfuhren, eine freundlichere Herberge gesunden? Die Literatur der Jude»

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