Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 6 (Juni 1846)
- Date
- 1846-06-01
- Page
- Seite 221 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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221 Zur Geschichte der Juden in Polen. nicht veröffentlichen wolle, 'toi er fürchte, daß die gerechte Rache des Volkes es zu weit führen würde. Diese verstellte Zurückhaltung verdoppelt die Neugier des Haufens, der den Priester drängt das Gehcimniß auszusagen; er heult und drohet, endlich schreiet der Pfaffe: die Juden haben gespieen auf die heilige Hostie! Sogleich fallt der fanatistrte Pöbel über die Juden her; Frauen, Greise, Kinder, nichts wird verschont, und das schreckliche Gemetzel dauert in Krakau bis zur Nacht. Stanislaus von Kazimierz predigte vordem erst unlängst bekehrten Ladislaus Jagellon, König von Polen, und suchte diesem Monarchen einen unversöhnlichen Haß gegen die Juden beizubringen. Uebrigeus beschuldigte man sie häufig genug, daß sie ihren Haß gegen die heiligen Sacramente nicht verbergen könnten und mit Messerstichen die heilige Hostie durchbohrten. Derartige, systematisch.gereifte und fortgepflanzte betrügerische Klagen sind ohne Zweifel die Ursache, daß auch heutigen TageS die in polnischen Städten wohnenden Juden sich während einer Procession verbergen und Thüren und Fenster schließen aus Furcht, daß das beirrte Volk sich nicht zu einer Gewalthat gegen sie Hinreißen lasse. Dieses hat bei den Abergläubischen ein Verbot im Namen der Religion hervorgerufen, die heilige» Cermonien der Christen unter Strafe einer vierzrgtägigen Ercommunication nicht mit anzusehen. Jene, die das geschichtliche Leben der Juden nur oberflächlich betrachten, sagen, daß sie sich von den Christen entfernen, ein besonderes Volk bilden und kein Land für ihr Vaterland ansehen. Die Geschichte der Städte Polens beweiset, daß diese Abgrenzung und die mindere Berührung mit andern Völkern nur eine Folge der christlichen Regierilngsmarimen seien. Unter Kasimir nahmen die Juden freiwillig die polnische Tracht und die Gebräuche des Landes an, sic stellten sich zufrieden mit den Gerichtsstühlen und den Gesetzen der Christen. Allein als der Adel und die Geistlichkeit de» Vorurtheilen Einfluß gestatteten und mit der ganzen Heftigkeit des religiösen-Fanatismus verfuhren, wurden die Juden in den traurigsten Zustand hinabgedrückt. Man befahl ihnen: 1) Gelbe Mützen zu tragen und runde Stücke aus rothem Tuch auf ihre Kleider zu heften; 2) .eS wurde den Christen verboten mit ihnen zu essen und in ihrer Gesellschaft zu fein; 3) sie wurden befreiet vom Kriegs- und ausgeschlossen vom Civildien st; 4) man wies ihnen abgesonderte Viertel zum Aufenthalt an; 5) man überhäufte sie mit Abgaben , die das polnische Volk nicht hatte, Mle diese Maßregeln zusammengenvmmen haben die Juden aus dem allgemeinen Rechte ausgeschlossen. Verachtung, Vorurtheilc, Haß sind unausbleibliche Folgen so ungerechter und unpolitischer Maßregeln. Es muß hier erwähnt werden, daß die königliche Macht, aufge-