Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 6 (Juni 1846)
- Date
- 1846-06-01
- Page
- Seite 220 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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22V Zur Geschichte der Juden in Polen. Dieb bestraft. 1t) Es ist den Juden erlaubt alle Art Waaren zu kaufen, mit dem Brothandel und dem anderer Produktionen sich zu befassen". Der Tod des großen Königs bildet eine Epoche hinsichtlich des Verfalles der Städte und des Schicksalwcchsels der Juden. Eine für Polen verhangnißvollc Bestimmung wollte, daß Kasimir der Große keinenlegitimen Erben hinterließ. Er hatte von Esther zwei Söhne, ein Umstand der ohne Zweifel seine Liebe zu der schönen Jüdin vermehrte; allein Alles was bei seinemLeben Achtung für seineGeliebte veranlaßt^ wurde nach seinem Hintritte ein Beweggrund zum Haß und zur Rache. Nemir und Palka, die natürlichen Kinder des Königs, verschwanden und wurden ein Opfer des eifersüchtigen Adels und vielleicht der erzürnten Priester. Man fürchtete, daß diese zwei Bastarde des großen Königs und der Jüdin einen gefährlichen Einfluß auf das Land, die Krone und die Religion üben könnten. Ludwig, König von Ungarn, der auf den Thron gerufen wurde, zeigte bald was Polen von fremden Königen zu hoffen habe. Ludwig, der mehr an Ungarn als an Polen hing, regierte Letzteres durch Statthalter. Um die Macht zu behaupten, mußte er den Bischöfen und dem Ades schmeicheln; allein die Ein- - wohner der Städte, und vorzüglich die Juden sowie die Ballern wurden vom Neuen der Despotie der stolzen, müssigcn und erbarmungslosen Herrn prciSgegeben. Die Juden mußten die Städte verlassen. Gerüchte gingen umher, daß Esther, die vor Kurzem auf dem Gipfel des Ansehens gestanden.und mit vollen Händen Gunstbezcugungen ver- - breitet hatte ihre Erniedrigung und die Verachtung früherer Schmeichlcr nicht habe ertragen können, uird ihrem Leben durch einen Sturz aus einem Fenster ein Ende gemacht habe. Andere behaupten sie sei vor Krimmer uiid Elend gestorben. Indessen sind alle diese Gerüchte nicht gegründet. Die Einwohner Krakau's zeigen noch den Ort im königlichen Garten zuLobzow, wo diese berühmte Frau begraben wurde *). Die Juden, die unter dem Schutze Kasimirs die polnische Nationaltracht angenommen, große Städte erbauet, reiche Schatze hcrbeige-. zogen hatten, wurden nach seinem Tode gezwungen, gelbe Mützen zu tragen, um beim ersten Anblick erkannt zu werden. Und von .nun an beginnt die lange Verkettung priesterlicher Ränke um dem polnischen Volke den ganzen jüdischen Stamm verhaßt zu machen. Im Jahre 1407 mißbrauchte der Priester Butek die Ohrenbeichte, indem er wiederholt sagte, daß er eine schreckliche Mittheilung erhalten, die er aber *) Der logische Zusammenhang dieses Satzes mit dem vorhergehenden ist etwas schwer.