Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 6 (Juni 1846)
- Date
- 1846-06-01
- Page
- Seite 218 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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21« Zur Geschichte der Jude» In Pole». Man erwäge, daß! cr sixbenzig Städte erbaute und daß er es war, der Polen mit Schulen und Gesetze» ausstattete, so genügt schon dieses um zu beweisen, daß sein Geist zu erhaben und zu edel war, als daß man diesen Wirkungen seiner erlauchten Politik derartige niedrige Motive unterlegen sollte. Die weisen Gesetze dieses großen Fürsten, über deren Ausführung er selbst wachte, hatten zur Folge, daß die in Deutschland decimirten und in ganz Europa verfolgten Juden an den Ufern der Weichsel ein Asyl suchten. Sie gründeten dort Colonicn und Städte, errichteten Werkstätten und bereicherten sich, indem sie dasLand bereicherten. Der polnische Rittcrstand hatte Widerwillen gegen den Handel; daher beschäftigten sich ausschließlich die Juden mit ihm, errichteten Fabriken und übten alle Handwerke aus. Tie Münze so wie die Urstoffe gingen alle durch ihre Hand. Zu dieser Zeit errichteten sie jene großen Niederlagen, die sie'nach dem Namen ihres Wohlthäters K a Z im ierz benannten und deren Ruinen man noch heutigen Tages zwischen Krakau und Lublin erblickt. DaS ungeheure Gebäude Sukiennitza zu Krakau, so benannt, weil man dort Tuch für das ganze Königreich fabricirte, setzt den Reisenden durch seine Pracht in Erstaunen und bezeugt das edle Wohlwollen dieses weisen Königs. Hier dürfte auch ein Wort über den Vorwurf, -den Fanatiker und Judenfeinde erfanden, um die Juden um die königliche Gunst zu bringen, an seinem Orte sein. Man beschuldigte sie, Blut eines Christenkindes bei ihren religiösen Ceremonien gebraucht zu haben. Der König ließ Untersuchungen anstellen: und nachdem er sich von der Unschuld der Juden überzeugt hatte, veröffentlichte er ein Edikt, in welchem er die Juden von dieser grausamen und lächerlichen Anklage frei sprach, llnd ließ zum Andenken an diesen Vorfall,eine Kirche zu Krakau unter den Namen der regulirten Kanoniker erbauen *). — Wir theilen hier auch einige Auszüge aus den Statuten Boleölaus mit, die Kasimir bestätigte und für das ganze Königreich in Kraft setzte. Diese Statuten lasten zweierlei erkennen: die Gerechtigkeit der polnischen Könige, den engherzigen und barbarischen Geist Europa'ö zu dieser Zeit, der dem großen Polnischen König ein übermäßiges Wohlwollen für die Inden zum Vorwurfe machte. ' 1) „Bei einer Klage gegen einen Juden, wo es der Zeugen bedarf, sollen der Jude und diese Zeugen einander gegenüber gestellt werden, deren zwei Katholiken, der dritte ein Jude sein muß, der genau die jü- *1 Ein sehr sonderbares Andenken, da doch die Mönche selbst größentheil» diese Anklagen vorbrachten! Der Vers., der, wie km Porworte berichtet wird, der französische» Spruche nicht ganz mächtig ist, drückt an mehrere« Stellen sich sehr »»genügend an«, und scheint hier eine stücke zu sein.