Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 6 (Juni 1846)
- Date
- 1846-06-01
- Page
- Seite 215 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Geschichte der ^Zikden in Pot««. 2»5 schreibung, zur Ueberlieferung an folgende Geschlechter. Der bedrängte Glaube , der mit seinem Blute die Treue besiegelt, hat zwar von noch größeren Heldenthaten zu berichten, er setzt Alles an das Göttliche, gehet in den Kampf mit der Aussicht auf sichern Tod; aber er unterliegt auf dem Schauplatze des Lebens, und haucht daher seine Geschichte in der schwermüthigen Elegie aus, die in abgerissenen Trauertöneu erzählt und ihren Schmerz und was ihn verursacht nur ahnen laßt. Die Geschichte der Juden in Polen ist arm, erst in neuerer Zeit tritt sie bedeutsamer hervor. Die Vergangenheit scheint also den Jude» in Polen, wenn auch traurig, doch nicht so düster, wie ihren Glaubensgenossen in Deutschland und andern Ländern Europa's gewesen zu sein: und wir finden es auch in den überlieferten Nachrichten bestätigt. Diese Nachrichten hat Leo n Ho kl a en d ersk i, ein aus Rußland ausgewanderter Jude gesammelt, und sie in seinem Werke: les lsraelites de Pologne. Paris, Dagetau et Comp. 1846. niedergelegt. Diese mit mehreren trefflichen Kupferstichen verzierte und schön ausgestattete Schrift verbreitet sich auch über das Leben, Erziehung, Unterricht, Kleidung u. s. w. der polnischen Juden, referirt über die polnischen Secten, deren Grundsätze, Ausbreitung u.a. m. und zerfallt in zwei Abschnitte, deren jeder wieder in Kapitel. Wir gehen hier nur auf den geschichtlichen Theil ein, aus dem wir einen gedrängten Auszug mit manchen nöthigen Verbesserungen liefern , wobei »vir auch die jüdischen Quellen, die der Verfasser nur wenig berücksichtigt hat , etwas näher berühren werden. Hollaenderski's Schrift ist hinsichtlich der Vergangenheit arm: ein gutes Zeichen; über die Neuzeit berichtet sie viel, und was hat sie zu berichten! Während das Schicksal der Juden sich in den meisten Ländern Europa's besser gestaltet, welche Wendung nimmt es in Rußland*)! „Die polnischen Chroniker sind unter sich uneinig über die Zeit der Einwanderung der Juden in dieses Land. Diepolnischen Großen und der Clerus wetteiferten mit-einander nach der Einführung des Chnstenthums in Polen alle Neberlieferungen so wie alle Denkmale desHeidcnthums zu zerstören, und verlöschten sogar alle Spuren der Vergangenheit. Die ältesten Rationaltraditionen fangen mit d«n Fürsten Mieczyslaus an, d. i. in der Mitte des neunten Jahrhunderts. *) Wir verfolgen bei diesem Aufsatz den Plan, den wir uns bei dem Auszug aus PreScstt'S Geschichtswerk (vgl. Decemberheft v. Jahrg.) vorgezerchuet. Nur wird dieser Aussatz, um nicht das Maß einer Zeitschrift zu überschreiten, «och gedrängter sein. Die Anmerkungen, die dem Vers, augehören find mit Ziffern, die des Ref. mit einem Sternchen bezeichnet.