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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1846-06-01 · 6 (Juni 1846) · p. Seite 214

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1846)
Issue
6 (Juni 1846)
Date
1846-06-01
Page
Seite 214 (sequence 16)
Language
German
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£14 Z« Gerichte d« 9«dr« tzk Pot«. Kur Geschichte -er Iu-en in Polen. Rach L. Hollaenderski. Die Geschichte der unter russischen Scepter lebenden Juden ist zu einer Katastrophe gelangt, wo Leiden'und Bedrückungen aller Art sich jusammendräugen und düs Loos von anderthalb Millionen Menschen seiner Entscheidung entgegenrückt. Die jüdische Geschichte ist seit Jahrtausenden, eine Religionsgeschichte; der Mittelpunkt, um den sich seine geistige Entwickelung sowohl wie seine Erlebnisse sich bewegen, ist der Glaube, Der Glaube gab die Spann - Md Schwungkraft neue Schöpfungen eines intellectuellen Lebens hervorzurufen; er begeisterte zur WUthigen Ausdauer auf dem Gebiete des Völkerlebens und Alles an diese religiöse Existenz zu setzen. In ersterer Hinsicht hat das Judenthmu' seine Culturgeschichte, die, wie schon dieser Begriff voraussetzt, von Thätigkeit, von Production und Formationen spricht. Von seinem Bestehen und Auftreten gegen außen erzähl t seine p o l i t isch e Geschichte, die aber nur nach einer Seite der etymologischen Bedeutung dieses Wortes genommen werden kann: das an ihm Geschehene. Was gegen de» Juden gethan, wie er von Volk zu Volk getrieben wurde, welche Gesetze gegen ihn erlassen wurden, wie er schütz -und rechtlos sich den härtesten Verfolgungen und Bedrückungen preisgegeben sah, ist der Bericht, den seine Geschichte erstattet. In dieser Vergangenheit ist der Zeitpunkt für das Judenthum als der glücklichste anzusehen, wo es keine Geschichte hat, kein politisches Ereigniß von ihm erzählt wird. Ein geistreicher Autor — Gibbon — bemerkt, daß schon der Umstand, daß die römischen Annalen nur einen kargen Bericht über die Regierung Mark Antonius liefern, sein Zeitalter als ein glückliches bezeichnet; es lieferten nicht Mgewöhnliche Ereignisse Stoff zum Weitererzähleu: und mit wie noch größerm Rechte ist dieses aus die Geschichte der Juden anzuwenden, die, wo sie spricht, nur von Erlittenem und erfahrnenWiderwärtigkeiten zu berichten hat! — Hierin mag sich wohl auch mancher Ausschluß finden über die Armuth an jüdischen Quellen über die Ge-' schichte der Juden. Der Aufschwung eines Volkes, seine Heldenthaten und erfochtene» Siege, sein inneres festgegliedertes politisches Leben, das ruhmgekrönt sich selbstständig behauptet begeistert zur Geschichtsdarauf hi», daß diese Mtschna späteres eingeschobenes Gloffem sei. Wir hoffe» i« einem später» Aufsatz Gelegenheit zu finde», auf diese» Gegenstand zurück- «ckomme». ' . - F.

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